Am Ohridsee haben wir ernsthaft darüber nachgedacht, noch ein paar Tage länger zu bleiben, weil es uns dort wirklich gut gefallen hat. Letztlich haben wir uns dagegen entschieden, um etwas mehr Zeit zu haben, wenn wir zurück sind. Also war Sonntag unser letzter Tag, genauer: Unser erster Rückreisetag.

Und ich habe die Rückfahrt ganz entspannt mit meinem Motorrad angetreten. Das kam so: Während wir mit dem Auto nach Ohrid gefahren sind, kamen wir natürlich über einen Grenzübergang, denn der See ist geteilt zwischen Albanien und Nord-Mazedonien (ich glaube, das erwähnte ich schon einmal 😇). Auf der östlichen Seite ist da ein klitzekleiner Übergang, an dem aber trotzdem sehr ernsthaft und manchmal etwas langwierig kontrolliert wird. Nachdem wir dort mit dem Auto durchgefahren waren, kann mir die Idee, mit dem möglicherweise riskanten Grenzübergang nicht bis zur Heimreise zu warten, sondern es einfach hier zu probieren, wo Valentin noch in der Nähe ist. Also aufs Motorrad gestiegen und los. Siehe da, sie haben mich problemlos durchgelassen. Ich kann euch gar nicht sagen, wie viele Stoßgebete ich vorher und wie viele Danksagungen ich hinterher losgelassen habe. Aber nun war klar, dass der Heimreise nichts entgegenstehen würde.
Dann noch ein Gammeltag am Strand, danach ein weiterer mit Ausflug in die Berge und am Samstag eine längere Motorradtour (ohne Karin) zum Abschluss unserer Zeit.







Unser Ausflug in die Berge südlich vom See war total erfolglos, und trotzdem wunderschön. Wie kann das sein? Nun, wir hatten im Touristeninformationsbüro ein paar Tipps abfotografiert (Prospekte gab es nicht) und einer davon war ein markanter Fels, etwa 1 Stunde von uns entfernt. Ihr wisst, dass wir bereit sind, Wege zu fahren, die manche von euch nicht mal zu Fuß gehen würden 😎, aber hier wurde es nach der Hälfte der Strecke so schlecht, dass ich vielleicht mit einem hochwertigen Geländewagen weitergefahren wäre. Witzigerweise sollte 10 km hinter der Felsformation ein malerisches Dorf sein, mit liebenswürdigen Einwohnern und kleinen Geschäften. Ich bin sicher, die Information ist Jahrzehnte alt – dem Zustand der Straße nach zu urteilen. 😎
An unserem ersten Ziel waren wir also kläglich gescheitert, aber das konnte uns nicht entmutigen. Auf der wunderbaren neuen Hauptstraße gab es erstens eine tolle Landschaft zu sehen und zweitens nach einigen Kilometern erneut einen Abzweig zu eben diesem Ort. Natürlich sind wir abgebogen und –Überraschung– die Straße war sofort (!) unpassierbar. 😂
Also weiter, denn an dieser neuen Straße gab es immer wieder Hinweisschilder zu Sehenswürdigkeiten, entweder landschaftliche oder antike und nach einiger Zeit haben wir überlegt, dem nächsten Schild wieder zu folgen. Und wieder ein Reinfall. Es handelte sich um zwei komische Steinsäulen direkt neben der Straße.
Wenn die Sehenswürdigkeiten nichts taugen, dann versuchen wir einfach oben auf den Berg zu kommen, der uns vom See trennt, um dort einen hoffentlich schönen Ausblick zu haben.
Nein, ihr müsst gar nicht erst raten. Das Besondere war nur diesmal, dass die ersten 500 m nach dem Abzweig eine wunderbare Asphaltstraße waren, die dann innerhalb der nächsten paar 100 m kaum passierbar wurde. Also –erneute Überraschung– wieder gewendet und auf der Hauptstraße weitergefahren. Aber wie gesagt, die Landschaft war absolut atemberaubend!
Links! Eine antike Brücke. Wieder ein ganz neuer Straßenabschnitt nach dem Abzweig, der auch ein paar Kilometer recht gut blieb. Dann kam ein Ort mit zwei „Cafés“ und danach wurde es wieder katastrophal. Laut Navi war es aber eine Schleife, die wieder auf die Hauptstraße führen sollte. Also haben wir diesmal nicht aufgegeben, sondern sind mutig weitergefahren. Und Mut war wirklich nötig! Die Hauptstraße haben wir wieder erreicht, eine historische Brücke allerdings nirgendwo gesehen. 😩
Ein allgemeines Problem hier im Balkan: An der Hauptstraße gibt es ein Hinweisschild, vielleicht am nächsten Abzweig noch mal eins, aber danach verliert sich jede Spur auf irgendwelchen Feldwegen, Nebenstrecken oder Sackgassen. 🤬
Aber irgendetwas muss doch zu finden sein! Und siehe da, der nächste Abzweig mit Hinweis hörte zwar nach 200 m auf, war bis dahin aber betoniert. Dann noch mal 150 m zu Fuß. Tadaaaa!

Verratet uns nicht, aber an dieser Brücke haben wir etwas gemacht, was uns die Schamesröte ins Gesicht treibt.

Wir hatten in unserem Hotel jeden Morgen Frühstück der (bulgarischen) Balkanart: Weißbrot, Butter, Marmelade, Omelette oder Spiegelei, Schafskäse, Tomate und eine gebratene Wurst. Gegen unsere Gewohnheit hatten wir also jeden Morgen etwas im Magen, bevor wir aufgebrochen sind.
Vielleicht 1-2 Stunden nach dem Frühstück wollten wir los und werden vom Junior aufgehalten, der mit einem Tablett hinter uns herkommt. Auf dem Tablett sind zwei Suppenteller und etwas Weißbrot – eine Lammlebersuppe, Spezialität seines Vaters!
Dass ich kein Fan von Suppen bin, hat sich wahrscheinlich herumgesprochen, Karin dagegen liebt Suppen, also sollte man annehmen, dass wenigstens einer begeistert war. Aber irgendetwas war mit Karins Verdauungsapparat nicht in Ordnung (vielleicht auch nur das viele Frühstücken), so dass sie nach dem ersten halben Löffel grün im Gesicht wurde. Ich habe 2-3 Löffelchen probiert und ein paar kleine Stückchen Leber rausgepickt (sehr fein im Geschmack und butterweich). Mehr ging aber beim besten Willen nicht. Unten Reis, oben 1/2 cm Fett und zwischendrin die Leberstückchen, nichts, was bei mir an dem Tag rein gepasst hätte. Aber was machen wir nun mit der freundlich spendierten Suppe?
Lassen wir sie stehen, sieht das undankbar aus und sie müssen es wegschmeißen. Dafür waren die Leute viel zu nett, also haben wir eine unserer Vorratsdosen aus der Kühltasche geholt und gut die Hälfte abgefüllt, um sie unterwegs an irgendwelche Straßenhunde zu verfüttern. An dieser Brücke haben wir es dann getan und die kalorienreiche Suppe in die Natur geschüttet.
Meine Proberunde auf dem Motorrad war zeitlich etwas länger geplant, immerhin wollten wir in den nächsten Tagen 1200 km zurücklegen, da braucht es schon etwas Übung. Ich habe dieses schöne Umgehungsstraße einfach entgegengesetzt abgefahren und auf jede Sehenswürdigkeit verzichtet😂.
Fotos habe ich keine gemacht, und meine Actioncam konnte ich nicht montieren, weil die Halterung an der Frontscheibe mit abgebrochen war. Dafür hat sich Karin am Strand vergnügt und für euch ein paar schöne Bilder gemacht.



Wir haben aus Nervosität am Sonntagmorgen auf das Frühstück verzichtet und sind nur mit einem Cappuccino im Bauch losgefahren. Das Wetter war genau passend. Es war mild und bewölkt, genau das, was man als Motorradfahrer im Süden gebrauchen kann. Auch der Grenzübertritt nach Griechenland verlief problemlos. Vorher haben wir allerdings noch einmal kurz gehalten und ein paar albanische Lek ausgegeben. Ich für Rakia (Obstler), Karin für ein wenig Knoblauch.😂

Hinter der Grenze haben die Griechen eine beeindruckende Autobahn in die Bergwelt getackert. Hoch über Schluchten, gegenüber durch einen Tunnel und so fort und so fort.
Manchmal kann man unten im Tal die alte Landstraße sehen, und ich würde natürlich gerne auch dort unten noch einmal lang fahren. Jetzt wollten wir Kilometer fressen und deswegen die Autobahn. Obwohl Motorradfahrer die Autobahn normalerweise meiden, muss ich sagen, diese hier war so beeindruckend, dass auch das Motorradfahren ein Genuss war.
Was wäre eine Reise von Schumanns ohne neue Probleme?
Vielleicht 50 km vor dem Tagesziel hielten an einer Tankstelle, um Gas nachzutanken und uns zu erleichtern. Ersteres klappte nicht, weil die Tankstelle kein Gas hatte. Zweiteres klappte ebenso wenig, weil ohne etwas zu kaufen durften wir die Toilette nicht benutzen. Stattdessen zeigte der sehr unfreundliche Tankstelleninhaber auf mein Motorrad und bittet mich, das zügig zur Seite zu schieben, denn – es lief Flüssigkeit aus und nicht zu knapp! 😩🤬🤯🤮
Ein kurzer Geschmackstest mit dem Finger zeigte uns, dass es kein Öl war, also musste es Kühlflüssigkeit sein. Was ein Sch…!
Karin hatte noch eine volle Wasserflasche im Auto, die wir dann erst einmal eingefüllt haben. Die Einfüllöffnung liegt aber so ungünstig, dass ich ganz viel vorbei gegossen habe, so dass ich am Ende nicht sagen konnte, ob das Wasser auf dem Boden durch ein Leck ausgetreten ist oder einfach nur vorbeigegossenes Wasser war. Unser Ziel war ja nicht mehr weit weg und das Motorrad hatte bisher keine ungewöhnliche Temperatur angezeigt. Also sind wir weitergefahren. Natürlich ging mir wieder die Momente vor der Panne im letzten Jahr durch den Kopf und meine Aufmerksamkeit war definitiv geteilt zwischen dem Verkehr und der Temperaturanzeige. Die blieb aber friedlich, wenn auch etwas wärmer als üblich.
Unser Übernachtungsquartier lag in einer größeren Stadt namens Xanthi, so dass ich Hoffnung hatte, dort eine Werkstatt zu finden. Wie gut, dass wir schon sonntags aufgebrochen waren, dadurch wären ein, zwei Tage Aufenthalt für eine Reparatur überhaupt kein Problem. Ich war ziemlich kaputt, also habe ich mich nicht weiter um das Motorrad gekümmert. Ich hatte mir nämlich überlegt, einfach selber mal nachzusehen, ob der Wasserschlauch vielleicht wieder abgegangen sein könnte. Und ganz eventuell wäre ich vielleicht in der Lage, selber eine provisorische Reparatur durchzuführen. Tape hatte ich dabei!👍
Ein kurzer Blick vom Balkon des Apartments auf die Straße und ein weiterer ins Internet beruhigte mich sehr: Alles voller Motorräder und eine unglaubliche Anzahl von Motorradhändler und Werkstätten in diesem Ort. Also sind wir erst einmal etwas essen gegangen. Nachdem wir am Vorabend in Albanien in einem Döner Fastfood waren, sollte es diesmal ein Gyrosladen werden.
Gelandet sind wir in einem ideologiefreien Döner- UND Gyrosladen (!). Das nenne ich mal friedliche Koexistenz.



Also hatte ich jetzt doch wieder zwei Probleme: Ich musste immer noch ohne TÜV durch Bulgarien fahren und hoffen, nicht in eine Polizeikontrolle zu kommen und zusätzlich hatte ich auch wieder ein defektes Motorrad, bei dem nicht klar war, ob ich damit überhaupt bis Bulgarien oder gar Warna komme.
Wir waren früh wach, haben schnell einen Kaffee aufgebrüht und ich bin dann runter ans Motorrad. Peinlich, peinlich! Ich hab nicht einmal die Verkleidung unterhalb des Motors abbekommen.
Dafür hatte ich die Adresse einer Motorradwerkstatt in fußläufiger Entfernung gefunden, in deren Bewertungen besonders die spontane Hilfsbereitschaft hervorgehoben wurde. Um neun sollten Sie aufmachen, um neun war ich da!
Ich habe dem Mechaniker meine Lage geschildert und er hat nach kaum messbarem Überlegen seine Hilfe zugesagt. Ich müsste aber warten. Auf meine Frage, ob ein, zwei oder 4 Stunden oder mehrere Tage dauern würde, hat er laut gelacht und gemeint, in einer Stunde würde er sich um mein Motorrad kümmern. Tatsächlich bekam ich um 11:50 Uhr den Anruf, dass ich das Motorrad abholen könne. Der Vermieter unseres Apartment war zwischenzeitlich so nett gewesen, den Checkout von elf auf zwölf zu verschieben, so dass wir nicht auf der Straße neben unserem Auto warten mussten.
Karin hat den (für sie freien) Vormittag genutzt, um das nette Städtchen zu erkunden und – o Wunder – ein paar Kleinigkeiten zu kaufen. 😇
Später als gedacht begann dann der zweite Teil unserer Rückreise. Wir hatten miteinander überlegt, dass wir so lange fahren, wie es geht und dann eventuell noch einmal übernachten.
Nächste Sorge: Der Grenzübertritt nach Bulgarien. Mein Grund für den Weg über Griechenland war ja der kürzliche Beitritt Bulgariens zum Schengen-Abkommen und meine Hoffnung, dass tatsächlich keine Fahrzeugkontrolle an der Grenze stattfinden würde. Also doch nicht nur eine Sorge!
Die Grenze war tatsächlich verwaist und wir konnten problemlos in Bulgarien einreisen.
Ärgerlich! Das ist jetzt schon der vierte Abschnitt, der aus irgendeinem Grund nicht gespeichert wurde. Ich muss jedes Mal überlegen, was denn da wohl gestanden hat. Aber ich gebe mein Bestes!
Die Route führte uns über die Autobahn Richtung Burgas und von dort nach Norden über die Landstraße. Es ist eine sehr kurvige Bergstrecke, denn das Balkangebirge endet dort am Meer, manchmal wird im Winter sogar die Straße gesperrt.
Wir sind mitten in den Bergen, als es langsam dunkel wird und ich feststelle, dass das Licht an meinem Motorrad zwar leuchtet, es aber nur das Standlicht ist. Am Tag war das egal und während der Dämmerung ging es auch noch halbwegs, aber es wurde immer dunkler.
Ich fuhr zunehmend blind hinter Karin her. Irgendwann war es richtig dunkel und die einzige Beleuchtung auf der Straße vor mir waren Karins rote Rücklichter, was mich zwang, nicht mehr als 5 bis 10 m Abstand zu halten, um nicht blind zu fahren. Und meine Frau wollte nach Hause, d.h. wir sind mit 100 Sachen durch die Nacht gebraust. Ich konnte sie nicht überholen, um ihr Zeichen zu geben, etwas langsamer zu fahren und Anhalten war nicht möglich, weil an der ganzen Strecke keinerlei Haltebuchten sind. Sehr anstrengend, kann ich euch sagen. Im letzten Dorf vor Warna (vielleicht 20 km) mussten wir alle langsam werden, weil es dort ein paar üble Bremsschwellen gibt. Das wusste ich, also habe ich bis dahin durchgehalten – und kurz vor dem Ort überholt Karin das vor ihr fahrende Auto und kann mich nicht mehr sehen! Aaaaaaah!
Aber ich habe sie an einer der Bremsschwellen benachrichtigen können und wir sind auf den kleinen Marktplatz gefahren und ich habe das Motorrad abgestellt.
Zu Hause unseren Kram ausgepackt, etwas gegessen und froh und dankbar ins Bett gefallen.
Der erste Tag in Warna begann also mit einem kurzen Ausflug Richtung Burgas, um unser Motorrad zu holen. Mein Mechaniker wurde per WhatsApp informiert und wartet nun auf mein Motorrad. Karins Arzttermine wurden geplant und ich habe mir überlegt, was ich an dem Motorrad vielleicht selber hinbekomme. Deswegen die Motorradwerkstatt.





Außerdem habe ich den Windschild geflickt und die abgebrochenen Teile eingeklebt. Morgen mache ich mir Gedanken, womit ich den so stabilisiere, dass die alten Schrauben wieder in die vorhandenen Löcher kommen, ohne auszubrechen. Etliche Fehlversuche an dem gebrochenen Spiegel habe ich schon hinter mir, aber noch habe ich den nötigen Optimismus und ein paar Ideen. Ich könnte natürlich auch einfach einen gebrauchten über eBay kaufen, aber das könnte ja jeder.
Karin war übrigens mit ihren Messwerten heute beim Hausarzt und er meinte, dass die Osteoporose doch schon ein behandlungwürdiges Stadium erreicht hat. Montag hat sie dann einen Termin beim Spezialisten und wahrscheinlich wird sie eine Therapie mit Spritzen bekommen.
Das ist auch so eine blöde Erkrankung, bei der man völlig beschwerdefrei lebt, bis es irgendwann einen unerwarteten Schaden gibt. So gesehen war der Bruch gar nicht so schlecht, denn wir wären nie auf die Idee gekommen, das einfach so untersuchen zu lassen.
Sie läuft übrigens mittlerweile nur noch ohne Krücken und braucht kaum noch Schmerzmittel. Ulkigerweise ist nämlich zwar der Knochen innen gebrochen und tut nicht weh, aber außen in der Leiste hat man Schmerzen. Wird allerdings auch zusehends besser. 👍
Wie alt ist man eigentlich, wenn die älteste Tochter 40 wird? Gefühlt sind wir doch nur knapp über 50! Ja, unsere Anika ist tatsächlich vor 40 Jahren geboren worden, was ist seitdem nicht alles passiert? Damals waren wir alle zusammen in Köln und jetzt sind wir zwischen Amerika, Duisburg und Bulgarien verstreut.
Wir haben jetzt zweieinhalb Monate ohne geplante Termine vor uns, d.h. Dinge wie Motorradreparatur, Arztbesuche und eventuell Physiotherapie für Karin, sowie die Beantragung der neuen Lischnakarte sind nicht wirklich stressig, weil sonst nichts ist und wir wunderbar viel Zeit haben.
Euch wünschen wir auch für den Rest der Woche und das anstehende Wochenende so viel Zeit, wie ihr braucht, damit es euch gut geht und ihr euch wohlfühlt.












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