Bevor ich mich wieder in Reiseerinnerungen verliere, möchte ich euch von Karin und mir gesegnete Ostern wünschen mit dem uralten Gruß:
Der Herr ist auferstanden!
Und der Antwort: Er ist wahrhaftig auferstanden!
Muss man nicht mitsprechen, muss man nicht glauben – ich empfehle es aber dringend…
Am Ende dieses Beitrags gibt es dann noch ein paar aktuellere Infos über unseren Ist-Zustand, also durchhalten oder überspringen. 😂
Nach den drei schönen, aber keineswegs erholsamen Tagen in Bodrum (gedankliche Notiz: Für Ruhetage sind Appartements besser als Hotelzimmer) hatten wir eine längere Etappe quer durchs anatolische Hochland geplant. Etwas neben der kürzesten Route lag noch ein mögliches Zwischenziel, dessen Besuch wir von Wetter und Vorankommen abhängig machen wollten. Die Fahrt war gut, weder langweilig noch besonders interessant – wir konnten etwas gucken und unterschiedliche Eindrücke sammeln. Das Wetter wurde trüb und noch etwas kälter, blieb aber trocken, weswegen wir kein Problem damit hatten, Aphrodisias als Zwischenstopp anzufahren.
Wer uns und unseren Reisestil kennt, weiß von unserer Vorliebe für Nebenstrecken. Also hatte ich dem Navi aufgetragen, uns über Nebenstraßen zum Ziel zu führen. Auf dieser gewählten Strecke tauchte dann völlig überraschend ein Hinweisschild zu unserem Ziel auf, das uns auf eine Nebenstrecke zur Nebenstrecke führen wollte. Trotz der heftigen, mehrere Kilometer andauernden Proteste des Navi sind wir dem Schild gefolgt – es war nämlich NEU! Das will dort unten etwas bedeuten. Ein gammeliges Schild führt manchmal auf irgendeinen Bauernhof oder auf eine verschüttete Straße oder oder.
Wir folgen also dem Schild, dann dem nächsten, dann noch einem – bis keins mehr auftaucht. Gut, es war irgendwann auch nur diese eine Straße, links ein Stausee, rechts Berge. Immerhin gab es ab und an Restaurants und Picknickplätze und immer wieder Hinweise auf einen Canyon. Muss ich extra erwähnen, dass aber weder das eine noch das andere…
Der Canyon war nur per Boot zu erreichen, wie wir feststellen mussten, die Straße führte ans falsche Ende der Welt und unser Navi zeigte überhaupt nichts mehr an. 😩
Also wieder umgedreht und damit eine knappe Stunde verloren. Natürlich haben wir uns auf dem Weg zurück die Augen ausgeguckt, um vielleicht doch ein gültiges Hinweisschild zu sehen. Siehe da, es gab eins und wir hatten es übersehen! 🦯👩🦯🧑🦯
Zu unserer Verteidigung sei gesagt, dass alle Schilder, auch die folgenden, in schönem Braun mit weißer Schrift geprägt waren. Nur dieses eine hing völlig ausgeblichen grau in grau in Dackelhöhe unter 15 gut lesbaren Schildern. 🤬




Durch endlose Obstplantagen mit schneebedeckten Gipfeln als Begrenzung ging es auf der Neben-Nebenstrecke zum Zwischenziel. Wir gut, dass wir in Pamukkale wieder zwei Übernachtungen eingeplant hatten, weswegen es uns egal sein konnte, wenn wir etwas später als geplant ankommen würden.
Es wird irgendwann auch eine YouTube-Version der Geschichte geben, wo ich auch Fahrteindrücke der Actioncam im Auto einarbeite, das muss allerdings bis nach unserem Deutschlandbesuch warten. Ich habe die Videos in mehreren Anläufen auf den Mac kopiert und es waren 250+ Schnipsel von einer Minute und mehr. Da brauche ich schon fürs bloße Sichten ein paar Stunden.
Hier also nun Aphrodisias:






Sehr beeindruckend und trotz des trüben Wetters sehenswert. Wieder mal ganz anders. Außer dem gut erhaltenen Stadion gab es hier den (angeblich) einzigen Park mitten in einer Stadt dieser Zeit. Denkt man ja nie drüber nach, aber scheinbar musste sich damals jeder selbst um Grünzeug kümmern. 😂

Unser Hotel in Pamukkale lag nah zum Eingang in die Kalkterrassen, in der Nähe gab es etliche Restaurants (alle mit Speisekarte und Preisen!) und sehr günstig war es obendrein.
Da rechts mussten wir hoch:

Barfuß!





Tatsächlich waren wir nicht auf einen Aufstieg ohne Schuhe vorbereitet, aber obwohl die Fläche fast überall vom Wasser überspült wurde, war es überhaupt nicht rutschig.
Hinweis: Die coolen halbrunden Bassins aus der touristischen Werbung sind zur Zeit abgesperrt und nicht gefüllt, aber auf dem Anstieg gibt es genügend angelegte (?) Kalkbecken. Es ist zwar warmes Mineralwasser, wir wollten trotzdem nicht plantschen.
Bevor ich euch die Eindrücke von der darüberliegenden Ruinenlandschaft zeige, habe ich noch ein Foto der Kalkterrassen am Nachmittag. Die Touristen aus den Feriengebieten fahren halt normalerweise morgens mit den Bussen los und bevölkern dann nachmittags -auch schon in dieser Jahreszeit- das Gelände.


Karin hatte am Ende der Tour wieder stärkere Rückenbeschwerden, also trennten wir uns. Sie ging zum Touristeneingang auf gleicher Höhe und ich bin mit Kamera und Schuhen barfuß die Terrassen runter, um sie dann mit unserem Auto zu holen – und wäre fast gescheitert. 😩
Auf dem Weg nach oben haben unsere zivilisationsverpimpelten Füße den Weg über die Kalkkruste problemlos bewältigt, aber nach etlichen Stunden durch das antike Stadtgebiet war der Barfußrückweg (im oberen Wegabschnitt) höllisch schmerzhaft. Gefühlt etwa so, als müsste man über pickeligen Rauputz laufen. 😖😖😖🩼🩼
Sehr unentspannt, vor allem, wenn man eine brandneue Kamera ohne Schutztasche mit sich trägt und der Boden nass ist. Ich hatte ja keine echte Wahl, also habe ich den Rambo in mir aktiviert, und den Auftrag letztlich erledigt.
Für solche Momente wird Karin zügig eine Kameratasche kaufen!
Hierapolis
Wieder einmal eine tolle Lage – auf einem sehr großen Plateau mit Blick über das weite Tal mit den schroffen Gipfeln auf der anderen Seite. Jetzt, wo noch Schnee die Spitzen bedeckte, war das ein toller Eindruck, der sich fotografisch nicht ohne massive Bildbearbeitung annähernd wiedergeben lässt. Es war nämlich fast überall in der Ferne diesig, so auch hier. 😩


Uns hat es wieder einmal wahnsinnig gut gefallen, meine Begeisterung galt tendenziell mehr den Überresten der antiken Baumeister, während Karin sich mindestens so sehr an der sprießenden Frühlingsnatur erfreute.














Die historische Bedeutung der antiken Stadt gründete unter anderem in der Orakelfunktion, denn die Hauptquelle entlässt nicht nur das warme/heiße Mineralwasser, sondern auch giftige Dämpfe, deren bewusstseinsändernde Wirkung für die Orakel genutzt wurde.
Die Orakelwirkung konnten (und wollten) wir nicht überprüfen, aber die Wirkung des Mineralwassers war an vielen Stellen deutlich zu sehen.



Unser „Glück“ mit den Restaurants sollte sich etwas abgemildert fortsetzen. Am Abend unserer Ankunft haben wir einen kurzen Spaziergang an einigen offenen (!) Lokalen entlang gemacht und hier und da in die Speisekarte geguckt. Natürlich: Je mehr Blick auf die Kalkterrassen, desto mehr Lira pro Speise. 😎
Da wir uns die aber am nächsten Tag aus der Nähe ansehen wollten, reichte uns letztlich ein Restaurant ohne Ausblick. Sehr nett, sehr lecker! Beim Bezahlen sagen wir dem freundlichen Chef, dass es uns so gut gefallen hätte, dass wir wiederkommen würden. Ratet! Am nächsten Abend ist wegen einer Familienfeier geschlossen. 😂😂😂
Unsere Wahl fiel am Folgetag auf ein „Lokal“, in das wir im Nachhinein nur unsere härtestgesottenen Freunde mitnehmen würden. Nennen wir es „Erlebnis“. Wir wurden freundlich bedient, wurden satt, aber das Ambiente war nichts für Gesundheitsamt oder Bauaufsicht.




Unser nächster Stopp sollte das antike Nizäa sein, das heutige Iznik.
Aber beim Blick auf die Strecke fiel mir der Name Laodizea auf. Kennt der Fromme doch aus den Sendschreiben in der Offenbarung. 😎
Keine 10 min entfernt von Pammukale, da fahren wir doch mal schnell morgens noch vorbei.
Muss ich erwähnen: Lage, Größe, Andersheit… beeindruckend!
Aber das Wetter war so schlecht, dass wir ganz sicher nur einen ganz kurzen Blick…
Hahaha! Dass wir nicht noch zum 700m entfernten Stadion gelaufen sind, war nur dem Zeitdruck zu verdanken. Das Gelände der antiken Stadt muss riesig gewesen sein, wenn es von der Hauptstraße in eine Richtung noch 700m weit geht. Die Hauptstraßen tendieren nämlich immer dazu, die Städte mittig zu teilen. Auch hier ist übrigens viel relativ neu touristisch erschlossen und unbedingt ein Tipp!






Dann aber endlich los auf die lange Etappe nach Iznik/Nizäa.
Zwar gab es unterwegs noch eine Vielzahl der braunen Hinweisschilder zu Sehenswürdigkeiten, aber der Routenabschnitt war lang und das Wetter wurde immer schlechter, teilweise sogar mit heftigem Regen.
Unser Hotel haben wir dann nicht sofort gefunden, denn leider haben die Angaben bei booking öfter mal Abweichungen, die in die Irre führen. Meine größte Sorge war allerdings im Vorfeld, ob wir einen Parkplatz finden würden, denn die ausgewählte Unterkunft lag mitten in der Stadt an der Hauptstraße und hatte keine Hotelparkplatz. Die Lage war aber genial, weil von dort alles fußläufig erreichbar sein sollte, also das Auto einmal parken und dann bis zur Abreise nicht mehr anrühren. Zwei Nächte waren geplant…
Wer uns kennt – Parkplätze sind üblicherweise unser kleinstes Problem. 20m neben dem Eingang umme Ecke war was frei. 😎
Aber es war soooo kalt, vor allem pfiff der Wind waagerecht durch meine Jacke.


Einmal bis zum großen See haben wir es geschafft, dann nur noch durchgefroren in ein kleines Lokal, wo wir sehr lecker essen konnten.
Als wir morgens unseren Pulverkaffee auf dem Zimmer tranken, waren wir schon ziemlich sicher, dass wir die zweite Nacht hier verfallen lassen würden. Als wir dann vor die Tür gingen, fing es nicht nur leicht zu regnen an, auch die Geschäfte waren geschlossen. Mitten in der Woche?!?
Zuckerfest! Tadaaa!
Damit war klar, wir gehen kurz die alte Konzilskirche besichtigen, dann packen wir unseren Kram und gucken, wie weit wir es Richtung Heimat schaffen.
Die Kirche ist „natürlich“ eine Moschee geworden, trotzdem touristisch zugänglich, sogar mit „Schuhe an“, aber in erbärmlichen Zustand. Nach den gut renovierten und erschlossenen Sehenswürdigkeiten eine kalte Dusche.




Das zweite Besuchsziel von Iznik ist die fast vollständig erhaltene Stadtmauer. Bei schönem Wetter hätten wir uns sicher ein paar Bereiche zu Fuß erkundet und angesehen, so aber sind wir nur auf einen kurzen Stopp zum Stadttor in der Nähe gefahren.






Die anschließende Fahrt nach Warna in einem Rutsch verlief glatt, tatsächlich hatten wir am Grenzübergang Schnee – aber das habe ich schon irgendwo geschrieben.
ENDE und Danke für euer gedankliches Mitreisen.
Ich hatte ja ganz zu Beginn versprochen, auch über ein paar aktuellere Dinge zu berichten.
Da war zB die Ausbesserung des Warmwasserbereiters im Badezimmer.



Jaja, könnte auch der Vermieter machen. Ich war halt schneller. 😎
Dann hat Karin sowohl gemalt, als auch direkt mit Perlen gebastelt. Beides müsst ihr mir ohne Bilder glauben, es sind nämlich Geschenke dabei, die ich hier nicht zeigen kann. 😂
Ebenfalls ohne Beleg ist Karins erfolgreicher Wiedereinstieg ins Joggen nach unserer Kulturreise. Sie ist seitdem jedesmal persönliche Bestzeiten gelaufen. 🏃♀️🏃♀️🏃♀️🏃♀️🏃♀️🏃♀️🏃♀️🏃♀️🏃♀️🏃♀️🏃♀️
Selbstverständlich habe ich mir die Nacht für den Artemisstart um die Ohren geschlagen. Ich durfte damals bei der ersten Mondlandung mit den Eltern vor dem Schwarzweißfernseher sitzen, die nächste erlebe ich ja vielleicht auch noch – und das jetzt gerade ist ein spektakulärer Zwischenschritt.


Gleich werde ich meinen Beamer anwerfen; angeblich soll Netflix die Mondumkreisung live senden. Bin mal gespannt.
Gestern war bei euch Ostern, hier erst nächste Woche. Aber so können wir vielleicht zweimal Osterfondue essen. 😎

Vorher ging es bei endlich mal frühlingshaften Temperaturen ans Meer. Einfach so. Wie wir diese Möglichkeit lieben!

Den Rest der Woche werden wir wohl noch ein bisschen Frühjahrsputz machen und langsam den Kram zusammensuchen, der mit nach Deutschland soll. Und vielleicht schreibe ich ja nochmal etwas.
Bis dahin unterstütze ich die alte Tradition des Osterlachens und beginne aus gegebenem Anlass mit diesem Cartoon:

















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