Jetzt geht’s lo-hos! Jetzt geht’s lo-hos!
Noch sind wir zwar etwas matt von der letztlich doch ziemlich strapaziösen Tour, aber die Fotos sind weitgehend bearbeitet, die Wäsche fast komplett gewaschen und mein seit vorgestern matschiger Kopf klärt sich langsam.
Für die Einsteiger ins Thema: Wir wollten absichtsvoll zum allerersten Mal einen Aktivurlaub machen. „Absichtsvoll“ ist dabei entscheidend, denn manch ein früher mal erholsam geplantes Projekt endete trotzdem mit durchgelatschten Füßen. 😇
Um nicht wieder rund um Istanbul Autobahn zu fahren, sind wir zuerst nach Edirne. Das liegt zentral im europäischen Teil der Türkei und war sogar mal Hauptstadt des Osmanischen Reiches. So etwas lernt man, wenn man reist!
Praktischerweise ist das auch eine nicht sehr lange Strecke (340 km/4,5 Stunden), so dass wir nicht frühmorgens los mussten. Die Strecke ist uns teilweise bekannt gewesen, nur Richtung Grenze sind wir erst einmal gefahren. Landschaftlich nichts Aufregendes, zumal der Frühling noch nichts bunt gefärbt hatte. Der Grenzübertritt war problemlos und wir sind gut im Hellen angekommen.
Nur nicht im geplanten Hotel! Das hatte nämlich 2 Tage vorher abgesagt und ich musste „mal eben“ Ersatz finden. Glücklicherweise gab es für dasselbe Geld genau auf der anderen Seite der Altstadt eine Unterkunft mit Parkplatz. Es war sogar eine deutlich bessere Lage, wie sich herausstellte, denn Nummer 1 hätte uns ziemlich klettern lassen, weil die Altstadt oben liegt. So waren wir aber schon auf Höhe der Altstadt und mussten nur zur historischen Moschee ein paar Höhenmeter überwinden.




Aber wie sollte es anders sein, es gab direkt Probleme. Das Restaurant im Hotel war geschlossen, ob wegen Ramadan oder Vorsaison ließ sich nicht herausfinden, und unser Zimmer konnten wir nicht verschließen. 🤪 Alles hochmodern und elektronisch, tja…
Ich bin ein paarmal zur Rezeption runter und die Dame hat jedesmal versucht, das Türschloss/unsere Karte zu resetten, doch zuletzt bekamen wir das Nebenzimmer. So ein kleines hatten wir nur sehr selten – wenn überhaupt. 😩
Also ausgepackt und das letzte Tageslicht zum Erkunden genutzt. Zuerst ging es Richtung Moschee:











Sehr beeindruckend. Die hat sich ein Sultan bauen lassen – deswegen alles vom Feinsten!
Danach ging’s in die Altstadt mit den kleinen Geschäften. Leider machten die unüblich früh zu, wir vermuten, weil die meisten zum abendlichen Fastenbrechen zuhause sein wollten. Nach ein paar Tagen hatten wir das auch endlich verstanden. 😎








Es wurde langsam dunkel und ziemlich kalt, also bestand unser Hauptinteresse darin, einen warmen Platz mit ebensolcher Nahrung zu finden. Es war (siehe oben) nicht einfach, aber im hinteren Bereich einer Dönerbude gab es einen ziemlich abenteuerlichen Bereich zur Nahrungsaufnahme im Sitzen. Zu Essen gab es was vom Bild an der Wand. Vier Gerichte, eins war davon aus. 😂

Satt und wieder aufgewärmt sind wir noch ein paar Schritte gelaufen und haben die Lichter genossen.



Was soll ich sagen, der nächste Morgen begann mit einer Überraschung: Ich war der erste Mensch im Frühstücksraum! Ich!

Es wäre etwas wenig, wenn ich jetzt schon mit dem Schreiben aufhören würde, also hänge ich den nächsten Tag direkt an.
Die erste „richtige“ antike Stätte sollte Troja werden, wo das genau liegt, seht ihr später, jetzt muss reichen, dass es auf der asiatischen Seite (also Kleinasien) an der Mittelmeerküste liegt. Um genügend Zeit, bzw. einen Puffer zu haben, wollten wir da nicht nachmittags erscheinen. Also noch eine Übernachtung und dann morgens dorthin. Das gab uns aber Zeit, unterwegs ein Naturschutzgebiet an der griechischen Grenze zu besuchen, wo man gut Vögel beobachten können sollte. Genau dafür hat sich Karin ja ihre neue Kamera gekauft, also war das für sie ein erstes Highlight – und Übungsfeld.

Es war zwar zwischendurch sonnig, aber es pfiff ein kalter Wind, der uns keinen Spaß gemacht hat. Also aus dem Auto fotografieren oder dafür kurz rausspringen und frieren. 🥶🥶🥶
Karins Fotos sind noch aus der ersten Lernphase, also seid nicht zu kritisch. Einige sind auch schon richtig gut, obwohl das Fotografieren mit einer extrem großen Brennweite ein ganz anderes Vorgehen erfordert.








Jetzt aber Vögel und Getiers wie zu Grzimeks Zeiten (die Alten werden sich erinnern):








Ab in warme Auto und weiter Richtung Dardanellen.

(6) Märtyrer von Çanakkale – (7) Übernachtung
„Dardanellen“?
So wird der Eingang des Durchgangs vom Mittelmeer zum Schwarzen Meer genannt. Dardanellen – Marmarameer – Bosporus, das ist die Reihenfolge von West nach Ost. Wusste ich so genau vorher auch nicht. 😎
Unser Vermieter hatte signalisiert, dass er mit unserer für 18:00 Uhr angemeldeten Ankunft sehr einverstanden wäre, weil er vorher noch etwas zu erledigen hätte. Nun waren wir schon um halb fünf vor Ort, also haben wir uns an der Burg die Straße hoch einen türkischen Kaffee bestellt und dann beschlossen, ohne langes Zögern bis zur Spitze der Halbinsel zu fahren, weil es dort ein paar große Monumente geben sollte.



Leider waren wir zu blöd (eher zu faul), den Eingang zu finden, sonst wäre die kleine Festung wohl unser erstes Ziel gewesen. Die Monumente, die Aussicht und die Strecke dahin hatte aber ihren eigenen Wert.



Das Ganze ist nämlich die Halbinsel Gallipoli (nicht zu verwechseln mit einem italienischen Ort gleichen Namens). Dort fand eine große Schlacht im ersten Weltkrieg statt, bei der die Alliierten mit einer riesigen Flotte versuchten, die Halbinsel zu besetzen, aber an den verteidigenden Osmanen scheiterten. Über 100.000 Tote und 250.000 Verletzte auf beiden Seiten! Also ein Gemetzel wie bei Verdun, nur mit Wasser…



Etwas weiter dann der westlichste Punkt, zu unserer Überraschung war das ziemlich neue Monument zum Gedenken an die gefallenen Angreifer(!) errichtet worden.







Dann fuhren wir ein paar Kilometer zurück zum riesigen türkischen Monument. Bevor ich die Fotos zeige, möchte ich euch eine Inschrift zeigen, die dort ebenfalls angebracht ist. Sie zitiert Kemal Atatürk, den Begründer der modernen Türkei. Er kämpfte nämlich in der Abwehrschlacht dort als Offizier, bevor er einige Jahre später Staatschef wurde.

„Diese Helden, die ihr Blut vergossen und ihr Leben ließen… ihr liegt nun in der Erde eines befreundeten Landes. Daher ruhet in Frieden. Denn es gibt für uns keinen Unterschied zwischen den Johnnies und den Mehmets, dort wo sie Seite an Seite in diesem unserem Lande liegen… Ihr, die Mütter, die ihre Söhne aus weit entlegenen Länder schickten, wischt weg eure Tränen. Eure Söhne liegen nun an unserer Brust und sind in Frieden. Ihr Leben in diesem Land verloren zu haben, machte sie genauso zu unseren Söhnen.“
Kemal AtaTÜRK











Nachdem ich die interessanten und versöhnlichen Zusammenhänge entdeckt hatte, wäre ich gerne auch noch zu einigen anderen Erinnerungsorten dort gefahren. Man muss sich das mal vorstellen: Nach so einem Gemetzel ehren die Türken die gefallenen Aggressoren durch die Umbenennung der Landungsstrände und diese revanchieren sich mit der Stiftung von Gedenkstätten. Ist doch nicht alles schlecht in der Welt!
Ebenfalls überhaupt nicht schlecht war die Unterkunft. Der Gastgeber war pensionierter Marineoffizier und das Haus voller Memorabilia (neues cooles Wort entdeckt 😎). Das allerbeste war aber der Ausblick. Nachdem Karin beim Begrüßen erwähnt hatte, dass wir wegen unseres 40. Hochzeitstags unterwegs wären, bekamen wir das beste Zimmer. Mit Vorraum/Wohnzimmer und – Aussicht auf die Meerenge. Ein Traum. Da würde ich den ganzen Tag sitzen und gucken.



Er gab uns auch den Tipp, vor Sonnenuntergang noch schnell nach oben zum Aussichtspunkt zu fahren. Karin wollte nicht mehr los, ich schon. Also zusätzlich zum iPhone auch ihre Monsterkamera mitgenommen und ab.








Es wurde dann doch schnell dunkel (und kalt🥶🥶), weshalb die Tele-Aufnahmen etwas schwächeln. Aber geil ist der Apparat schon. 👍
Wir haben dann noch zwei unterschiedliche Döner gegessen, bevor wir uns oben wieder vors Fenster gesetzt haben.

Und so ging der zweite Tag zu Ende.
Dieser Beitrag ist ebenfalls vorbei, bleiben nur noch ein paar Schmunzelbilder.







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