Nachdem Iris und Rolf gut abgereist waren, haben wir fast dasselbe gemacht wie mit ihnen – Strand und gammeln. 😎🏖️🍻Allerdings musste auch mal wieder was im Haushalt gemacht werden, also Staubsaugen und Wäsche waschen, aber auch Feigen ernten und verarbeiten.

Wir essen ja meistens kein Frühstück und wenn, dann eher mit Käse als mit Marmelade, doch ein Probegläschen ist offen und schmeckt.


Darüberhinaus waren wir tatsächlich mal einen Tag nicht am Strand, sondern haben drinnen und auf dem Balkon Sachen erledigt.



Am Sonntag begannen die Katastrophen.

Karin war mit dem Auto zum Strand vorgefahren, ich wollte noch was drinnen erledigen und dann zu Fuß nach kommen.

Ein verzweifelter Anruf meiner Gemahlin: Sie hat unser Auto (mal wieder) verbeult und dabei wohl ein parkendes beschädigt. Seit einiger Zeit wechseln wir uns bei sowas ab.🤯

Sie ist dann an der Straße hin und her gelaufen, um das Auto zu finden, weil sie wegen des drängelnden Sonntagsverkehrs nicht sofort anhalten konnte. Irgendwann hat sie mir dann mitgeteilt, dass sie den entsprechenden Wagen (einen Tesla) gefunden und sich im Surfladen Stift und Papier geliehen hat (gut, nur der Stift war geliehen!), um eine Notiz am Scheibenwischer zu befestigen. Natürlich mit MEINER Nummer. 😩

Ab da begann für mich der mindestens zweitägige Stress, ob mein iPhone mit einer unbekannten bulgarischen Nummer im Display klingelt. Ich mag sowieso nicht gerne telefonieren (wie leider viel zu viele von euch wissen) und auf Katastrophenanrufe warten hat schon seinerzeit am dienstlichen Notfalltelefon für Herzkasper gesorgt. Das nur so zur Einordnung, wie entspannt ich in der Nähe des Telefons war.

Aber der Sonntag war noch nicht rum.

Karin kam mit einer weiteren Beule auf der anderen Seite zurück. Aaaaaaaaaah! 🤯🤯

Beim aneinander Vorbeifahren hat eine Frau so blöd gelenkt, dass sich beide Autos getroffen haben. Die Bulgaren fanden das nicht erwähnenswert, sind abgerauscht und haben Karin verdattert weiter fahren lassen.

Jetzt liegt sie wieder in Führung!


Wie ging es weiter?

Sonntag Abend kein Anruf!

Montag – kein Anruf!

Meine professionelle Analyse von Karins Beweisfotos (nachdem der Vorhang aus Blut vor meinen Augen sich gelichtet hatte), ergab, dass die beiden Schadensstellen nicht so zusammenpassen, dass Karin der Urheber sein konnte. Dazu hätte sie unseren Dacia händisch auf die Motorhaube des Tesla werfen müssen. Vermutlich hat sie an dem vorhandenen Schaden nur etwas mehr Farbe abgekratzt.

Bei der anderen -leider größeren Beule- haben wir uns damit „getröstet“, dass dummerweise beide Fahrzeuge fuhren und deswegen der Schaden mit ziemlicher Sicherheit aufgeteilt worden wäre. Außerdem: Zwei Zeugen gegen Karin, das wäre sicher kein Triumph vor Gericht geworden. 🤷🏼


Wie gut, dass ich schon am Samstag eine Jubelzigarre entzündet hatte. In der Wohnung war Klarschiff und Karin konnte schon gut einige Meter ohne Krücken laufen. Für solche seltenen Momente (die mit gutem Wetter fürs draußen Rauchen zusammentreffen müssen) habe ich Anikas Geschenkbox vom German Christmas Market aufgespart.

Echt guter Stoff – fast eine Stunde Brennzeit!

Montag wollte Karin zum Hausarzt zur (hoffentlich) Abschlussbesprechung. Ratet!

Sonntag war Feiertag und Ämter, Behörden und unser Arzt holen den montags nach. 🤬

Also am Dienstag hin – Wartezimmer voll! Nach einiger Wartezeit haben wir uns einen Termin für heute geben lassen. Aber wer jetzt denkt, wir hätten genug gelitten, der irrt.

Unsere fünf Jahre sind ja rum, die Lischnakarte ist abgelaufen. Nach fünf Jahren kann man ohne große Formalitäten eine unbegrenzte Aufenthaltsgenehmigung bekommen. Eigentlich hatten wir Kiril gefragt und der wollte uns begleiten, er ist aber gerade ein paar Tage unterwegs. Was kann schon schiefgehen, wenn man die KI um einen bulgarischen Text bittet, der erklärt, was wir wollen.

Nach über einer Stunde Schlange stehen (draußen!) waren wir dran. Ich reiche der Dame die Unterlagen und meinen KI-Brief rüber, sie guckt drüber und sagt: Ne!

Ich kürze das mal ab: Die Umwandlung hätte nur VOR dem Ablauf der alten Karte geklappt. Jetzt müssen wir den ganzen bürokratischen Mist, mit Schreiben vom Vermieter und notarieller Beglaubigung aller möglichen Unterlagen, von vorne durchführen. Da MUSS Kiril uns helfen. Hat er aber auch schon zugesagt. Und in fünf Jahren sind wir rechtzeitig da – oder vielleicht gar nicht mehr hier. Wer weiß das schon?


Immerhin gab es ja auch einen Lichtblick: Unser geplanter Kurzurlaub in Albanien zum Zwecke der Motorradrückführung. Unser ursprünglicher Plan, vielleicht die Kulturreise vom Frühjahr im Herbst in Griechenland zu wiederholen, war damit vom Tisch, aber nur „mal eben“ ein paar Tage hin und her zu fahren fanden wir ziemlich blöd, zumal das Motorrad am Ohrid-See steht. Welterbe oder so. Auf jeden Fall wunderschön.

Also habe ich Hotels für eine zügige Anreise gesucht, dann aber doch noch einen Schlenker mit zusätzlicher Übernachtung eingeplant, um Karin einen Teil (den letzten) der Unglückstour mit dem Motorradschaden zu zeigen. Das war nämlich eine wirklich traumhafte Gegend.

Danach geht’s runter zum schön gelegenen Hotel am See, vorbei an der Stelle, an der mich mein Bike Knall auf Fall verlassen hat.

Verspricht doch Spaß?!

Was ich dafür lediglich noch erledigen musste, war, meine Versicherung fürs Motorrad zu erneuern. Einmal, ein einziges Mal dürft ihr raten. 🤬🤯🤷🏼😩😢🤪

Die Dame fand das Motorrad nicht im Portal der Zulassungsstelle! Somit keine Möglichkeit, eine Versicherung zu bekommen.

Da war er wieder: Der Blutfilm vor meinen Augen!

Was folgte, waren endlose Stunden im Internet, um irgendeine Lösung zu finden, wie ich ohne Versicherung mein Motorrad hierher bekomme.

Ihr wisst, dass ich ziemlich schnell mit googeln und jonglieren verschiedener Optionen bin. Jetzt noch verstärkt durch KI!

Es war grenzwertig!

Zuerst einmal habe ich das Valentin, meinem hilfsbereiten Albaner mitgeteilt. Er kam kurze Zeit später mit der Idee um die Ecke, in Albanien eine Kurzzeitversicherung abzuschließen, wie sie für Fahrzeuge nötig ist, die aus Ländern mit nicht anerkanntem Schutz einreisen.

Durch diese Idee wurde ich ermutigt, leider scheiterten alle (von vielen) Ideen daran, dass ich über mehrere Grenzen muss und diese Versicherung nur in Albanien gilt. Gut, in Nord-Mazedonien könnte ich wieder so etwas abschließen, aber an der bulgarischen Grenze – Game over!

Nächste Lösung: Illegalität! In Albanien mit der Versicherung fahren. Laut KI werden Fahrzeuge mit EU-Kennzeichen bei der Einreise in dieselbe nicht auf die grüne Versicherungskarte hin überprüft. Also nach Griechenland einreisen, dann Dank des bulgarischen Beitritts zum Schengen-Raum unkontrolliert nach Bulgarien einreisen. Bingo!

Rechtzeitig bemerkt: Das ist keine Ordnungswidrigkeit, sondern eine Straftat und kann bei Vorsatz Tausende kosten oder Gefängnis bedeuten! Bulgarien ist ja schon weit, aber wollt ihr mich in einem griechischen Gefängnis besuchen?

Plan B: Es gibt Anbieter, die zB Amerikanern, die mit eigenem Fahrzeug durch Europa cruisen wollen, dafür Versicherungsschutz anbieten. Ich bin zwar kein Amerikaner, aber ich will im Ausland versichert werden. Was soll ich sagen, die haben super schnell reagiert und, nachdem sie meine skurrile Situation verstanden hatten, geschrieben, dass sie mich gerne in jedem europäischen Land versichern, aber nicht im Land der Zulassung! 🤮

Plan C: Doch irgendwie selber transportieren. Tatsächlich habe ich in Warna einen Verleih gefunden, der nicht nur Lieferwagen vermietet, sondern diese ausdrücklich für grenzüberschreitenden Verkehr bewirbt.

Einschub: Natürlich waren unsere „Urlaubspläne“ mittlerweile Makulatur.

Für eine Woche 280€ und 500km pro Tag inklusive, fand ich sehr fair, nachdem Plan B2 (Transponieren lassen) an absurden Preisen gescheitert war. Neues Problem: Wir bekomme ich 230 kg Motorrad in einen Kleinlaster? Rampen! Aber die sind nicht dabei! Wo bekomme ich die her? Amazon? Aber nicht bis zum Wochenende! Aber mit Kleinbus könnte ich das Motorrad ja jederzeit abholen. Müsste alles nur innerhalb einer Woche schaffen.


Langweile ich euch schon?

Mir war überhaupt nicht langweilig und ihr bekommt nur das mehrfach kondensierte Extrakt zu lesen.


Die KI meinte, das abgemeldete und TÜV-freie Motorrad müsste ich quasi unmittelbar vor einer Prüfstelle absetzen, denn es läge das klassische Henne-Ei-Problem vor.

Da kam ich ungewollt der Lösung näher. Eine empfohlene Onlineüberprüfung bei der Zulassungsstelle zeigte, dass meinem Motorrad nicht hinterrücks die Zulassung entzogen worden war, sondern die Kombination aus fehlender Versicherung (hatte ich natürlich ohne Motorrad letztes Jahr nicht gekauft) und überzogenem TÜV verhindert den Zugriff der Versicherungsbüros!

Und die KI wusste, dass das hier ein konzeptionelles Problem ist, vor dem ich nicht alleine stehe. Ich hatte das hiesige System ja schon früher beschrieben: Niemand muss sein Fahrzeug kontinuierlich nutzen. Dann braucht er keinen TÜV und keine Versicherung. Wenn er’s dann wieder braucht, kauft er einfach 3,6 oder 12 Monate Versicherung.

In meinem Fall erklärt/zeigt man im Büro den Grund für den fehlenden Zugang und bittet darum, diesen durch Überschreiben eines Feldes wieder freizuschalten.

Ein Hoffnungsschimmer, denn im Ausland interessiert der TÜV nicht (weil innerstaatliche Regelung), nur die Fahrtüchtigkeit! Die Rückfahrt wäre also weitestgehend legal.


Wenn ihr immer noch nicht genug habt…

Karin hatte also heute den Arzttermin und der lief überraschend gut. Man war mit Karins Fortschritt zufrieden. Sie darf ohne Krücken gehen, aber vorsichtig. Autofahren? Kein Problem. Physiotherapie? Hä, wieso denn das? Aber wenn sie wollen… und bitte zum Endokrinologen zur Kontrolle der Osteoporose. Termin gab’s auch direkt!

Also (mehr oder weniger) frohgemut los zum Labor, damit Karin mit einer Grundlage beim Facharzt aufschlagen kann.

Ratet!

Nach einer geschlagenen Stunde vor der Rezeption sind wir unverrichteter Dinge wieder abgezogen. Irgendeine Diskrepanz zwischen ihrem Namen auf der Überweisung und früheren Daten brachten das System zum Qualmen und zeitweise bis zu vier Mitarbeiterinnen verzweifelten.

Aber es gibt ja noch das Ärztehaus, in dem ich immer bin. Dort ist das Labor ohne Rezeption und Überweisung zugänglich. Bezahlen wir halt und reichen es später ein.

Nachdem ich endlich geparkt hatte, sah ich Karin schon zurückkehren – heute war das Labor ausnahmsweise (!) geschlossen! 😂🤷🏼🤯

Auf dem Rückweg lag noch ein Maklerbüro, das ich kannte aber irgendwann gemieden habe, weil sie nicht nur etwas teurer sind, sondern kein Mitarbeiter deutsch oder englisch spricht.

Aber die lagen nunmal auf dem Weg und ich hatte die Ausführungen der KI als Text zusammengefasst ausgedruckt dabei. Auf Bulgarisch natürlich!

Siehe da, man konnte keine Fremdsprache! Beim Lesen beobachtete ich ein gewisses Stirnrunzeln, dann eifriges Tippen. Dann ein Anruf: Mein Chef!

Dann holt sie aber immerhin schon Vordrucke raus. Legt mir die verschiedenen Angebote vor, tippt wieder wild rum.

Aber dann schiebt sie die Vordrucke in den Drucker und ICH HABE MEIN MOTORRAD VERSICHERT.

Morgen werde ich noch zu einer Prüfstelle fahren und mir schriftlich einen Termin geben lassen, den ich im Fall einer bulgarischen Kontrolle vorzeigen kann.


So, Schluss mit Unlustig!

Morgen Nachmittag werden Hotels gebucht, Koffer (mit Motorradsachen!) gepackt, der Strandkram und 50 Kilo Sand aus dem Auto entfernt und unser übliches Reisezubehör (Picknickkorb, Kühltasche, Pannenzubehör) verstaut. Freitagmorgen soll es dann relativ früh bis nach Nord-Mazedonien gehen.


Ach ja, der neue Gastank ist tatsächlich größer als der alte: 380km vs 320 km Reichweite.


So – jetzt aber lustig. Ihr wart sehr tapfer!

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