Schon heute ein Update – und zwar eins, das sich gewaschen hat.
Beginnen möchte ich mit einer interessanten Beobachtung. Der nette Fahrer des Abschleppwagens fuhr mich nach dem Abladen des Motorrads noch zu einem Hotel seiner Wahl. 40€ inklusive Frühstück waren mir nicht die Mühe weiteren Suchens wert.

Aber das müsste doch billiger gehen. Bei der Recherche fand ich heraus, dass die bei booking.com 45€ verlangen. Offensichtlich lohnt sich manchmal der direkte Kontakt.

Ich sitze gerade in einer Bar neben der aktuellen Unterkunft, die den ersten Stock über irgendwelchen Werkstattgaragen belegt. Der kleine Junge, der dolmetscht, weil er englisches Fernsehen guckt (!), hat mir gerade einen Teller Wassermelone gebracht.

Naja, ich habe etwas für 25€ gefunden und bin nach dem Frühstück todesmutig mit zwei Motorradtaschen und der Kombijacke durch die beginnende Mittagshitze einmal quer durch den Ort gestapft. Natürlich die falsche Abbiegung genommen (+14 min), dann an der Unterkunft vorbei, weil sie unten aus einer großen Autowerkstatt besteht. Ein Junge kam mir hinterhergelaufen und sprach mich englisch an. Der Papa hatte mich vorbei schleichen sehen und da ich der einzige Irre zu Fuß war…
Kluger Mann.
Aber ein Hotelwechsel ist nicht wirklich einen neuen Beitrag wert.
Ich bin euch ja noch die Alternativen schuldig geblieben, die mir am Vortag durch den Kopf gegangen waren.
Reparieren geht nicht, alle hier haben mir gesagt, dass in dieser Gegend niemand Motorrad fährt. Also repariert auch keiner. Autowerkstätten gibt es massenhaft, alleine in meinem Blickfeld schon 4.
Dann muss das Motorrad also nach Warna. Meinen dortigen Mechaniker hatte ich in meiner Verzweiflung auch schon angeschrieben und neben Mitgefühl schickt er wenige Minuten später die Info, dass er für 250-500€ einen gebrauchten Motor bekommen könnte. Nur für das Abholen konnte er mir keine Hilfe anbieten.
Mit dem Abschleppwagen über 1000 km nach Warna fahren, würde mich zwischen 2000 und 3000 € kosten, dafür bekomme ich dasselbe Motorrad auf dem Gebrauchtmarkt in fahrbereit.
Wenn ich das Motorrad selber holen würde, bräuchte ich eine Anhängerkupplung für unseren Dacia, dazu einen geliehenen Hänger.
Alternativ könnte es vielleicht in der Hauptstadt Werkstätten geben. Tatsächlich habe ich zwei gefunden, die auch Honda Motorräder reparieren. Auf meine E-Mails habe ich noch keine Antwort bekommen. 🤬
Dazu hatte ich die ferne Vision, dass eine der Werkstätten sagt, auf so eine Gelegenheit hätten sie schon ewig gewartet. Sie würden für kleines Geld mein Motorrad abholen, reparieren und mir dann Bescheid sagen. 🤪
Da das Leben kein Wunschkonzert ist, wäre die Variante dieses Plans, dass ich das Motorrad mit dem Abschleppunternehmen dort vorbeibringe und mir so gleichzeitig den Bus oder das Taxi zum Flughafen in Tirana spare.
Denn das ist das nächste Problem: ich muss ja irgendwie zurückkommen und zwar vor Freitag, denn dann trudeln die deutschen Gäste bei uns zu Hause ein. Ich kann hier also nicht tagelang wie ein fauler Rentner rum sitzen und warten, dass irgendetwas passiert – time is Money. Naja, das passt hier nicht ganz, klingt aber gut.😎
Karin fand die Idee mit der Anhängerkupplung übrigens blöd, zu aufwändig und teuer. Mich störte daran, dass wir nun wochenlang unter Zeitdruck mit fünf verschiedenen Bällen in der Luft hantieren müssten. Und wenn das Ganze nicht funktioniert, immer noch ein kaputtes Motorrad in Albanien stehen hätten.
Daraus erwuchs dann der unangenehme Gedanke, das Motorrad einfach abzuschreiben. Sozusagen ein wirtschaftlicher und moralischer Totalschaden. Immerhin sind die meisten großen Touren immer von irgendwelchen Katastrophen begleitet worden: Kaputte Motorräder oder kaputte Knochen.
Schön waren sie immer, bis zum Eintreten der jeweiligen Schadensereignisse. 🤪
Gleichzeitig musste ich feststellen, dass der letzte Gedanke des Vorabends wohl die beste Lösung ist: Das Motorrad abzuschreiben und einfach hier zu lassen und das Hobby aufzugeben – oder mindestens für längere Zeit auf Eis zu legen.
Der wirtschaftliche Verlust wäre gering. Der Verlust an Nerven wäre ebenfalls gering und Geld würde es auch nicht kosten.
Den emotionalen Verlust begann ich aber sofort zu spüren, als sich das als sinnvollste Entscheidung herauszukristallisieren (was ein Scrabble-Wort) begann.
Ich habe also den freundlichen Helfer vom albanischen Autoklub erneut kontaktiert und gebeten, mit der Werkstatt zwei Optionen zu verhandeln:
1.) sie behalten das Motorrad und verwerten es irgendwie (dass ich noch Geld dafür bekommen würde, nahm ich nicht an),
2.) sie bringen das mit mir (oder für mich) auf den Schrottplatz, damit die Unterstellgebühren wegfallen.
Dann habe ich einige Stunden nichts mehr gehört. Hat mich nicht beruhigt!
Zwischenzeitlich hatte ich aber die ersten Pläne für die Rückreise geschmiedet. Sehr vorläufig, wie sich später herausstellen sollte.
Ich habe nämlich direkt nach meiner Ankunft im neuen Quartier den Vermieter gefragt, ob er mir eine Fahrt zum nächsten Flughafen in Pristina frühmorgens organisieren könne. da hatte ich einen Flug gesehen, der um 9:00 Uhr abgeht und Spätnachmittags in Warna landen sollte. Wie sie später herausstellte, hatte ich beim Durchprobieren der vielen Alternativen doch keinen Flug mit Warna als Ziel ausgesucht. 🤯
Aber er konnte immerhin jemanden organisieren und versichert mir, dass er selbst im Zweifel einspringen würde.
Dann endlich ein Anruf. Der freundliche Helfer vom Pannendienst/Automobil Club aus Albanien meldet sie sich und sagte: keine Sorge, ich kümmere mich um alles.
Was bitte meint: alles? Er sollte doch nur klären, zu welchen Bedingungen ich mein Motorrad hierlassen kann. Was er meinte, hat er mir dann erklärt.
Er will das Motorrad hier abholen und zu seinem Standort im Süden. Albanien bringen – kostenlos!
Dann will er dort für eine Reparatur sorgen – die muss ich natürlich bezahlen! Er geht aber von ganz geringen Kosten aus.
Er muss mich für ziemlich begriffsstutzig gehalten haben, so oft, wie ich nachgefragt habe, ob ich das wirklich richtig verstehe. Er bietet mir das Komplettpaket meiner Wunschträume für lau an: Jemand holt das Motorrad ab, stellt es in eine Werkstatt, repariert es, und ich brauche nur vorbeizukommen und es abholen! Wunder werden wahr, aber bis ich das wirklich verstanden hatte, vergingen einige Minuten.
Seiner Meinung nach sind die Nachbarn in Nordmazedonien deutlich motorradverrückter als die Albaner, weswegen er sich sicher ist, dass mein Motorrad bei ihm unten an der Grenze gut und günstig repariert wird. Nicht „repariert werden könnte“, sondern „repariert wird!“
Dann darf es bei ihm so lange kostenfrei stehen bleiben, bis ich Zeit finde, es persönlich bei ihm abzuholen. Er und seine Frau würden sich freuen, uns beide dann kennenzulernen.
Ich würde mir schon zuschreiben, dass ich nicht auf den Kopf gefallen bin, aber wie oft ich den Armen gebeten habe, das noch einmal zu wiederholen, geht auf keine Kuhhaut. Kann sein, dass der mich jetzt nicht für so besonders clever hält.🤪
Seiner Meinung nach gibt man kein reparierbares Fahrzeug auf und wenn es ihm möglich ist, jemandem dabei zu helfen, würde er das gerne tun. Nachdem ich mich also mehrmals rückversichert hatte, dass ich richtig gehört habe, bot ich ihm an, selbstverständlich die Unterstellungsgebühren zu erstatten, die auflaufen würden, bis er das Motorrad holen könnte. Hier wiederholte sich das Spiel von Aussage und Unverständnis. Er versuchte mir wie einem Trottel zu erklären, dass er das geregelt habe und die von mir kein Geld nehmen, weil er dafür sorgt, dass sie keins verlangen. Er würde Ihnen regelmäßig Abschleppaufträge vermitteln, da könnte er das so regeln.
Ihr habt jetzt hoffentlich schneller als ich verstanden, welche wunderbare Wendung das ganze innerhalb kürzester Zeit genommen hat.
Er bat mich dann etwas später darum, doch noch mein Nummernschild abzumontieren, obwohl ich das Motorrad in Bulgarien wohl gar nicht förmlich abmelden muss. Man zahlt einfach keine Versicherung mehr und darf dann nicht fahren. TÜV habe ich auch noch über ein Jahr, da sollte es also gar keine Probleme geben, von hier aus einfach loszufahren. Aber wer bin ich, dass ich diesem Retter in der Not widerspreche?
Nun liegt die Werkstatt genau am anderen Ende des Ortes, und dieser Ort ist künstlich nach der Flutung eines Stausees entstanden (habe ich gegoogelt), weswegen er einige verkehrstechnische Besonderheiten aufweist. Der Stadtkern ist von den Umgehungsstraßen entkoppelt, was bedeutet, es gibt keine Abkürzung zu Fuß. Man muss der Ringstraße folgen. Ich hatte ja Zeit, also habe ich mich zu Fuß auf den Weg gemacht. 40 Minuten, davon war die Hälfte im Schatten, die andere war „warm“. ☀️☀️☀️☀️🌞
Die Bar hat gerade zugemacht, weswegen ich jetzt auf einer staubigen Treppenstufe der Autowerkstatt sitze. Ich hatte mir nämlich eine Zigarre angemacht, die ich wegen der Wassermelonen nicht weiter geraucht habe und die ich nicht im Zimmer zu Ende paffen will. Könnte ich, denn er hat mir extra ein Aschenbecher reingestellt 😇
Außerdem reicht das WLAN bis hier und ich sitze einfach gerne bei warmen Temperaturen draußen.
Sagte er, und das WLAN brach zusammen! 🤣
Ich bin dann kurz vor der Werkstatt in ein sehr modernes Lokal am Stausee eingekehrt, weil ich dringend etwas Schatten und Flüssigkeit brauchte. Entgegen des eher luxuriösen Ambiente waren die Preise niedlich: Mocca mit Eiswasser für 0,70 € und Aussicht.
Um das Video hochzuladen, brauchte ich wieder Internet und habe deswegen den Platz gewechselt, sitze jetzt zwischen Blumenkübeln auf dem Zugang zu den Apartments und hoffe, dass nicht zu viele Krabbeltiere meine Gesellschaft suchen.🐛🕷️🐜🦟🦗🪲🪳



Tatsächlich wurde ich dort sogar abgeholt, konnte das Nummerschild abschrauben und noch ein paar Dinge aus den Koffern mitnehmen. Wie gesagt – war gedanklich alles schon abgeschrieben.
Der andere nervenaufreibende Teil meines Tages war die Organisation der Rückreise. Richtige Billigflüge gibt es gar nicht. Alles fängt bei 200€ an. Die meisten liegen knapp unter 400€, auch die Flugzeiten sind happig, alles zwischen 9 und 22 Stunden, ewige Wartezeiten beim Umsteigen eingerechnet.
Wenn Billigflieger beteiligt sind, darf ich keine zwei Taschen mitnehmen, das scheidet dann schon aus. Dann gibt es einen Flug, der über Hannover führt, wo ich 10 Stunden nachts totschlagen müsste. Die Fahrt nach Pristina hatte ich organisiert, trotzdem bin ich auch die Flüge von Tirana durchgegangen: noch schlechter! Aber was wäre denn, wenn ich mit Sofia fliege und den Zug nehme? Das kostet in Bulgarien nicht die Welt.
Ich würde nur 5 Stunden fliegen (Zwischenstopp in Istanbul) und wäre nachmittags um drei in Sofia. Es gibt dann aber nur den Nachtzug um 21:00 Uhr, der erst um 6:00 Uhr früh in Warna wäre. Macht schlappe 24 Stunden Reisezeit. Unsere Lösung: Karin kommt mich mit dem Auto in Sofia abholen. Dann sitzt sie zwar ewig im Auto, aber ich bin morgen Abend in Warna. Das würde helfen, sich etwas zu erholen, bevor die anstrengenden Gäste auflaufen 😂 und gleichzeitig könnte ich Karin dabei helfen, die verstopfte Waschmaschine zu reinigen. Sie ist nämlich auch nicht katastrophenfrei geblieben.

Flug wurde also gebucht, einchecken hat geklappt, Bordkarte ist auf dem iPhone.
Der nette Mitarbeiter des Abschlussunternehmens hatte mich freundlicherweise wieder in die Stadt zurückgebracht, wo ich dann relativ entspannt ein paar Stunden Zeit vertrödeln konnte. Ach, fühlt sich das gut an, wenn alles eingetütet ist. Etwas blöd war, dass ich die Kombihose samt Nummernschild eingewickelt unter dem Arm durch die Gegend tragen musste, aber der Weg bis zur Unterkunft und wieder zurück war mir bei der Hitze zu viel. Dann lieber tragen. Erster Stop Eiscafé. Wann habt ihr das letzte Mal eine Eiskugel für 0,20 € bekommen? Ich kann mich nicht erinnern. Es gab zwar nur vier Sorten, von denen ich drei probiert habe, die waren aber ganz okay. Vor allem kalt! Danach bin ich bei einem laut Werbung englischsprachigen Barbier eingekehrt, um mir die Haare schneiden zu lassen.

Ich hatte ihm gesagt, bitte nicht zu kurz, meine Frau mag das nicht! Er hat sich wirklich Mühe gegeben und gefühlt jedes Haar einzeln geschnitten und meinte hinterher ganz selbstbewusst: Das ist aber schön geworden!
Noch kürzer und ich hätte geblutet!
Anschließend habe ich viel hübscher bummeln können. 😇



Danach gab es noch ein Crêpe mit Fanta und einem abschließenden Bier. Mehr Essen brauchte ich heute Abend nicht.
Endlich fertig, und ich hab euch noch nicht einmal mit den ganzen Details der mitgeführten Elektronik behelligt. Aber da ich ja ab Dienstag frei habe, wenn die beiden wieder aufs Motorrad steigen 😭 und Ulli in den Flieger 😢, werde ich das wohl nachholen. Nehmt das als Drohung – oder Verheißung!😇
Und wegen der allgemeinen guten Stimmung gibt’s auch wieder was zum Schmunzeln.







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