Was sehr traditionell und militaristisch klingt, bedeutet für viele hier wohl nur einen arbeitsfreien Tag mehr. Praktischerweise ist es immer(!) ein Montag und ebenso praktisch: Die große Pooleröffnungsparty findet heute statt. (Sorry, ich wurde nicht fertig, also: Montagabend habe ich das Schreiben begonnen.)

Aber wie so oft ist hier manches anders. Das Buffet beginnt um 11 und endet um 14 Uhr. Es gibt etwas Musik und eingestreute Poolspiele für Kinder oder Eltern.

Und Alkohol! Ich komme mit diesem sog. Daydrinking nicht klar. Um 12:30 Uhr hatte ich einen Mojito – echt zu früh! Aber man müsste ja nicht. Andererseits hat schon der Apostel geschrieben, man solle den Juden ein Jude sein, den Heiden ein Heide und den Amerikanern…

Naja, so lege ich ihn heute mal aus. 😇


Unsere Zeit als Babysitter endete heute Nacht (also von Sonntag auf Montag) gegen halb zwei. Wegen eines monströsen Gewitters war die Landung der Eltern zwar gerade so möglich, aber wegen der Blitze durften sie zuerst die Maschine nicht verlassen und dann konnte die Bodenmannschaft nicht ans Gepäck. 🤪


Wir hatten ein paar schöne Tage mit dem Enkel, die beiden ein paar ohne Kind. Erstmals seit fast 7 Jahren!

Ich erinnere mich nicht mehr, wo Karin und ich erstmals wieder alleine waren (ich meine Toskana im Herbst), aber unsere Durststrecke dauerte ein paar Jahre länger und wir haben das in meiner Erinnerung auch genossen.

Mittwoch waren wir also alleine mit Kind und Hund, wobei – es war noch Schule und die einzige Herausforderung war, rechtzeitig mit fertiggemachtem Kind das Haus zu verlassen 🥱

Kein Problem, wir waren aufgeregt wie damals beim ersten eigenen Kind und selbst ich (!) war vor dem Wecker (6:30) wach!

Es war der große Spieltag, also Spaß und Toben als Unterrichtsfach. 🤪

Die Gute-Nacht-Geschichten mussten sich die Großeltern am ersten Abend aufteilen, aber aufgrund der Probleme, in das und aus dem Kinderbett zu kommen, haben wir uns danach abgewechselt. 😂

Er wechselt problemlos zwischen deutschen und englischen Büchern

Am nächsten Tag war auch wieder Vergnügen in der Schule – Movieday!

Die ganze Dekoration samt Spielgeräten vom Vortag war von Lehrern und Eltern entfernt bzw. ausgetauscht worden. Ein riesiger Aufwand, aber typisch amerikanisch.

Wir haben den weitgehend kinderfreien Tag für diverse Einkäufe genutzt. Aber nicht ohne zuvor den Hund auszuführen!

Anika hat uns währenddessen ein Foto geschickt, das wir umgehend beantwortet haben:

Wieder zurück mussten wir feststellen, dass eine große Schublade klemmt (keine Ahnung, was Karin da gesucht hat). Der Grund war ein durchgebrochener Boden der Schublade darüber, die den Inhalt teilweise hinter die klemmende Lade geschüttet hatte.

Also alles ausräumen, das Ok des Schwiegersohns zur Reparatur einholen und einen Plan entwickeln.

Abends war Karatekurs für Ben und vorher der traditionelle Stopp bei Starbucks mit einer ebenso traditionellen Bestellung. Anika hatte das so präzise aufgeschrieben, dass ich das fehlerfrei aus dem Auto heraus bestellen konnte.

Tja – und dann stellte sich heraus, dass die Stunde gerade zuende war. 🤪

Montags um 18, donnerstags um 17 Uhr! Lesen müsste man können.

Das Problem war aber nicht die Verspätung, sprich die ausgefallene Stunde sondern – das verlorene Sandwich.

Ben war nicht rechtzeitig damit fertig, also hatte er den Rest in der Tüte mit reingenommen. Der Trainer bat ihn, diese in seine Tasche zu packen. Leider sehen die alle gleich aus. Ihr ahnt es?!

Zurück im Auto frage ich nach dem Rest und er überlegt. In der Tasche! Nur – da war er nicht, er hatte ihn in eine fremde Tasche gesteckt.

Großes Drama! Wir mussten uns allerdings schwer beherrschen, als wir den Grund für die Tränen erfuhren: Ein anderes Kind isst jetzt sein Sandwich! 😢

Wir konnten ihn tatsächlich damit trösten, dass Amerikaner sicherlich kein angebissenes Sandwich unbekannter Herkunft aus einer Sporttasche essen würde. Mit Sicherheit würde es weggeworfen!

Große Erleichterung. Allerdings hatte es ihm den Appetit verschlagen. Der ursprüngliche Plan sah vor, dass Karin und ich während der Karatestunde mal schnell einen Burgerketten-Burger verdrücken fahren würden. Er schlug vor, dass wir das besser nach Karate machen sollten, denn dann könnte er dort ein Eis essen. Kluges Kerlchen mit guten Argumenten.

Aber nun hatte er keinen Hunger (mehr) und all unser Bitten und Betteln half nichts, wir mussten ungegessen nach Hause.

Ich sag mal so: Meine Kinder können sich an so eine Nachgiebigkeit sicher nicht erinnern. Aber hier ging es ja um den Enkel…


Der Freitag begann mit dem Besuch eines Spielwarenladens. Ben durfte nämlich sein Sparschwein schlachten und mit einem zusätzlichen Geschenkgutschein „shoppen“ gehen. Nach der notwendigen Aufklärung über den Umgang mit Geld wurde der Laden auf links gedreht. Wir sind Rentner, er hat Ferien, das durfte also dauern. Und das tat es.

Dagegen ist Schuhe kaufen mit Karin ein Sprint.😂

Wieder zurück ging es mit Ben ans gemeinsame Reparieren der Schublade. Zuerst haben wir auf der nahegelegenen Baustelle eine Latte organisiert, dann alles vors Haus geschafft und letztendlich erfolgreich geheimwerkert.

Am Abend waren wir sozusagen stellvertretend bei den Nachbarn eingeladen. Wir trafen auf lauter Leute, die in Neurophysiologie forschen, bzw. in der Einrichtung arbeiten. Ziemlich interessant, zumal es eine typische amerikanische Party war, wie man sie aus den Medien kennt. Gar nicht so übel in live.


Historischer Einschub

Wirklich cool war aber die Führung übers Grundstück. Die Gegend hier ist extrem hügelig und von einem mäandernden Fluss (Cahaba River) und vielen kleineren Bächen durchzogen. Früher wurde hier auch Kohle abgebaut und Stahl produziert, dass allermeiste wurde aber mittlerweile geschlossen.

Und unten auf dem Privatgrundstück sind zwei verschlossene Eingänge zu einer echten Kohlenmine!

Ich habe dann etwas gegoogelt und die alten Karten gefunden. Unter den Häusern hier liegen die Schächte, in denen mehr als 50 Kumpel bei einer Explosion zu Tode kamen.

Der Nachbar würde sie gerne öffnen, seine Frau ist dagegen. Ich habe meine Hilfe angeboten. 😂


Für den Samstag hatten die Kinder schon den nächsten Termin festgezurrt. Ben mit einem Freund, dessen Vater und ich sollten zum Angeln und anschließend mit Karin zum Grillen.

Was soll ich sagen: Der erste von insgesamt nur zwei Fischen wurde von mir gefangen!

Lauter Premieren: Erster Fisch in USA, erste Fahrt in einem Truck, erstes Outdoor-Grillen…

Sonntag waren wir am fast leeren Pool, sogar als Doppelbabysitter für die Nachbarstochter (die mit der Mine).

Es wurde nachmittags regnerisch, was hier Wolkenbruch bedeutet. Den Rest des Sonntags haben wir also drinnen verbracht und etwas aufgeräumt, während die beiden Kinder sich miteinander (und dem TV😂) beschäftigten.


Ich habe ja anfangs schon von der verzögerten Rückkehr geschrieben. Ich wollte abends auf die Rückkehrer warten und habe vor dem Haus das Gewitter bewundert. Alle halbe Stunde kam eine Nachricht, dass es immer noch nicht weiterginge. Gegen 00:40 Uhr bin ich dann doch ins Bett – und die andere Hälfte ist leer! Irritierend!

Aber ich musste nur kurz suchen: Ben war vom Gewitter aufgewacht und Karin hatte sich zum Trösten in sein Bett gelegt. Das habe ich dann noch kurz den Eltern geschrieben, nicht, dass es noch zu Irritationen gekommen wäre, wenn sie ihrem Kleinen übers Haar hätten streicheln wollen. 😎

Also alle hatten eine etwas kurze Nacht, aber dafür gab es ja am folgenden Tag die große Poolparty.


Mittlerweile ist hier wieder Alltag, die Großen arbeiten, der Kleine ist in der Ferienbetreuung und die Alten reparieren Kleinkram, betreuen Handwerker, kochen Abendessen und schreiben Blogbeiträge.

Und führen natürlich den Hund aus.


Euch allen wünschen wir eine gute restliche Woche.

Und damit ihr nicht denkt, wir hätten hier nur Sonnenschein:


Für alle, die auch mieses Wetter haben, hier noch etwas für gute Laune:

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