Nach dem letzten Beitrag bin ich am nächsten Tag arg zerknautscht aufgewacht und irgendwie nicht richtig in Fahrt gekommen. Karin ging es nicht anders. Bevor ich jetzt aber abschweife, kommt erstmal der versprochene Rest der Heimreise.

Die Landschaft wurde nur langsam abwechslungsreich, Timisoara liegt nämlich noch im Einzugsgebiet des platten Ungarn. 😎

Aber die Route sollte ja das weltberühmte Lokomotivmuseum in Resita beinhalten, und das liegt eindeutig in den Bergen.

Ich könnte jetzt natürlich alle Lokomotiven en Detail zeigen, aber auch hier habe ich mich für eine etwas kurzweiligere Variante entschieden, also eine musikuntermalte Diashow:

Obwohl kostenlos einfach an der Hauptstraße gelegen, war es doch interessanter als man meinen mag. Liebevoll gepflegt und mit ausführlichen Erläuterungen versehen stehen Lokomotiven von 1872(!) bis Anfang der 1960er rum. Die späten konnten 160km/h und mehr mit einem Güterzug erreichen. Respekt! Da musste dann auch niemand mehr Kohle schaufeln, das ging (teil)automatisch. Lustig fanden wir die kleinen Waldbahnen – teilweise als Cabrio! 😂

Die umfangreichen Informationsschilder waren offensichtlich für Enthusiasten geschrieben, oder weiß jemand, wie sich eine Westinghouse Bremse von anderen unterscheidet?

Der Ort selber ist erkennbar ein alter Stahl-/ Industrieort mit starkem sozialistischen Architektureinschlag in maroder Verfassung.

Zur Blütezeit vor dem Krieg war es wahrscheinlich dreckig aber ansehnlich, dann wurde „überarbeitet“ und es wurde häßlich und dreckig – jetzt sind viele Anlagen stillgelegt und befinden sich in unterschiedlichen Stadien des Verfalls.

Aber zB an bis in entlegene Vororte führende uralte Straßenbahnschienen und Straßenbeleuchtungen kann man die alte Größe und Bedeutung erahnen.

Der Foto-Look passt zur Epoche

In diesem Ort ging es weg von der Hauptstraße ab durch die Berge. Als ich mein Motorrad 2021 von Deutschland geholt habe, bin ich hier ebenfalls abgebogen. Ich hatte nämlich in der Nähe ein Hotel zur Übernachtung gewählt, wo laut Karte/Navi die Straße durch den Wald weitergehen sollte. Leider befand es sich am Ende der (befahrbaren) Welt. 😎

Mir wurde klipp und klar gesagt, dass der weitere Weg nur mit geländegängigen Fahrzeugen zu bewältigen sei. Mein Motorrad gehört da nicht zu!

Also musste ich zurück, kam an besagten Lokomotiven vorbei und schlug mich etwas weiter südlich durch die Berge.

Ursprünglich wollte ich mit Karin auch mal in dem idyllischen Hotel am Ende der Welt übernachten, aber bisher passte das nie richtig, so auch diesmal.

Aber die Waldstraße passte:

Wer Wald, Landschaft und Kurven mag, sollte sich die 12 Minuten ansehen.

Am Ende der Strecke erwartete uns die schon mehrfach gefahrene Hauptstraße zur Donau. Kein Problem, zumal das Wetter und die Landschaft es uns leicht machten, alles zu genießen.

Apropos genießen: Auf diesem Abschnitt der Hauptstraße residiert auch meine Rakia-Dealerin. Diesmal gab es 2 Liter 60%igen Quittenbrand. 🥴


Der Verkehr hielt sich in Grenzen, auch nicht zu viele Lkw. So kamen wir an die rumänisch-serbische Grenze (auf dem Staudamm). Der rumänische Grenzer fragt, wo wir hin wollen. Ich sage wahrheitsgemäß: Nach Bulgarien.

Er guckt, guckt, sagt dann wie zu einem kleinen Kind: Da ist gleich Serbien!?

😂😂😂😂

Ich versicherte ihm treuherzig, dass wir uns dessen vollkommen bewusst wären. 🤣 Wir durften passieren.

Noch einige Kilometer und wir waren in Negotin (nicht: Nikotin!).

Ein kleines Gartenhaus war unsere Unterkunft, Besitzer und Vater lernten wir kennen, beide sehr freundlich.

Rechts hinter dem Baum war unseres

Nachdem wir unsere Sachen abgestellt hatten, sind wir kurz ins Zentrum gefahren. Ehrlicherweise hätten wir dem Vermieter auch trauen können, dass das fußläufig sei. Aber wer weiß schon, was ein echter Serbe unter fußläufig versteht. 😇

Der Abend wurde ja noch interessant (siehe letzten Beitrag), wir haben anschließend in Ruhe in der wirklich ordentlichen Unterkunft gegessen und beschlossen, am nächsten Tag in einem Rutsch nach Warna zu fahren.

Erwähnenswert ist vom nächsten Tag vielleicht, dass wir uns (natürlich über Rumpelstrecken) irgendwann bis ans Donauufer durchschlagen konnten. Wir haben das so genossen – dass wir keine Fotos gemacht haben!

Wie so Steinzeitmenschen ohne Instagram.

Irgendwann später wurden wir dann Zeugen des Autounfalls.

Im Anschluss wollten wir uns irgendwo eine Kleinigkeit gönnen, wir fanden, dass wir das nötig hätten. Ratet!

Nichts kam mehr bis zur Autobahn! 😂🤪🤣

Übrigens kam auch trotz der dunklen Wolken kein Regen, abgesehen von ein paar Tropfen.


Wieder zurück

Kalt war’s!

Auf der Reise hatten wir zeitweise 26° und lauschige Abende. Hier in Warna wurde es ohne Sonne (und nachts) noch empfindlich kalt.

Nix mit im Bademantel auf dem Balkon vormittags Kaffee schlürfen. 🥶

Aber es gab auch genug zu erledigen, denn wir haben das Auto voller Kram gehabt, der jetzt irgendwo untergebracht werden wollte. Heute, fast eine Woche später, ist immer noch nicht alles verstaut.

Unsere To-Do-Liste

Eine ordentliche Liste, von der wir aber trotz des Feiertags fast alles abgearbeitet haben.

Friseur – ✅

Krankenkasse – ✅

Schneider – ✅

Laser – ✅

Paypal einrichten helfen – ✅

Autoglas – ✅

Windschutzscheibe wird ambulant auf dem Tankstellenparkplatz geklebt 😂

Finanzamt – ✅

Diesmal ohne fremde Hilfe – wir sind stolz auf uns.

Motorradspiegel einbauen – ❌❌❌

🤯🤬😩 Das Video zeige ich nicht – zu viele böse Wörter…

Was nicht in der Liste stand , weil es uns erst später aufgefallen ist:

Abblendlicht reparieren – ✅


Nebenbei natürlich Fotos sichten und bearbeiten, sowie die Videos der neuen Kamera verarbeiten.

Die Ergebnisse seht ihr ja oben. Videos sind echte Zeitfresser!

Außerdem hat Karin wieder neue Blessuren (darf ich keine Fotos von zeigen, nicht weil schlimm, sondern aus Imagegründen😎) und wir haben ärgerlicher-/traurigerweise ihren so herbeigesehnten Termin mit den Delfinen deswegen abgesagt. 😩

Sie hatte sich so gefreut! Immerhin genügten ein Anruf und eine Mail, um das Geld zurückzubekommen. Vorbildlich! Im Herbst gibt es einen neuen Anlauf, während der Sommermonate zahlt man nämlich deutlich mehr. Blöde Touristen…😂

Ebenfalls nicht auf der Liste:

Kopfkissen kaufen – ✅

Testliegen. Zuhause darf man leider nicht ausprobieren

Stundenlang am Blog schreiben – ✅

Und last but not least war ich nach der Autoglasreparatur kurz im Baumarkt. Mein Möbel vom Ikea Duisburg (für die Stereoanlage) passt farblich doch nicht, also habe ich überlegt, den vorhandenen Kasten, statt mit farblich passenden, mit kontrastierenden Stücken zu erhöhen. Also in den Baumarkt – fast die ganze Farbpalette an Brettern ist plötzlich wieder da! Monatelang -und sogar in Duisburg- gab es nur schwarz, weiß und hellbraun, zur Sicherheit habe ich mir aber ein Reststück mitgenommen, bevor ich mir etwas Falsches zuschneiden lasse.

😩 Leider etwas zu hellbraun. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt…


Wenn ich jetzt noch berichte, dass wir heute Abend lecker mit Heinz und Eckhardt (die übrigens unsere Pflanzen vorbildlich am Leben gehalten haben) Pizza essen waren, seid ihr wieder auf dem aktuellen Stand.

Wir merken, wie gerne wir hier sind, wie vertraut uns der vorher fremde „Ostblock“ geworden ist und wäre der blöde Krieg nicht nebenan, wäre das Ganze sogar noch schöner. Aber der drückt ja auch in größerer Entfernung auf die Stimmung (und hebt hier mächtig die Preise!).

Also warten wir jetzt auf die Wärme (und Frieden), die sich heute endlich angedeutet hat und genießen unser Leben hier, auch wenn wir gerade wieder von lieben Freunden traurige Nachrichten aus deren Familie erhalten haben. Aber das gehört zu unserem Leben auch dazu: Die vielen lieben Menschen, mit denen wir durch eine gemeinsame Geschichte verbunden bleiben, egal wie weit wir weg sind.

Vor dem Finanzamt

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