Hier also der versprochene zweite Teil des Berichts von unserer Rückreise – plus die paar Tage in Warna, die wir mittlerweile hatten.

Ich erkläre euch mal kurz, wie wir an unsere Quartiere kommen.
Zuerst planen wir grob die Route. Innerhalb Bulgariens gibt es drei mögliche Richtungen.
- Der schnellste Weg führt ziemlich genau westlich über Sofia nach Serbien und dann Kroatien, Slowenien (nicht: Slowakei!), Österreich, Passau… Sind wir noch nie so gefahren.
- Zur Vermeidung von Serbien (nicht EU) fahren wir meist etwas nordöstlich über Widin an der Donau mit brandneuer Brücke als Grenzübergang nach Rumänien, dann durchqueren wir Ungarn auf einer gut ausgebauten aber schrecklich langweiligen Autobahn (immer Stau um Budapest, daher Umgehung auf Landstraßen) bis Györ. Passt für eine Übernachtung, um am nächsten Tag über Wien bis Duisburg zu kommen.
- Oder wir besuchen meine DDR-Verwandten und fahren in Rumänien nordöstlich bis fast an die ukrainische Grenze, dann durch Ungarn und Südpolen bis ins Sorbenland südlich vom Spreewald.
Damit es nicht langweiliger wird als nötig, variieren wir Teile der Strecke oder die Dauer der Fahrt.
Wenn also die Variante feststeht, hängt es von der Anzahl der geplanten Übernachtungen ab, wo ich anfange, bei booking.com nach Unterkünften nahe der Route zu suchen. Für uns beide sollte eine Nacht südlich von Ungarn und in Polen nicht über 25-30€ kosten, in Ungarn, Tschechien und der Slowakei darf es 35€, in Deutschland 45€ sein.
Also wird der Filter bei booking auf diese Preisspanne eingestellt und von billig nach teuer sortiert. 😎
Nach einschlägigen Erfahrungen achten wir mittlerweile auf die Zusicherung „eigentlich“ selbstverständlicher Ausstattungsmerkmale wie Internet, Check-in-Zeiten oder Parkplatz. Auf ein Gemeinschaftsbad lassen wir uns in Einzelfällen aber ein, wenn alles andere passt und zB eine Küche/Essraum vorhanden ist. War bisher auch nie schlimm.
Aaaaber wenn man im ehemaligen Ostblock günstig unterkommen möchte, muss man genau diesen Umstand berücksichtigen: Nennen wir es „Renovierungsstau“.😂
Dass Leitungen auf Putz liegen, Räume durch unerwartete Bodenschwellen getrennt sind, Mobiliar ein paar neue Scharniere brauchen könnte und im Außenbereich Fliesen defekt sind oder fehlen, kurzum: Die Ästhetik eher rustikal wirkt, muss man in Kauf nehmen und/oder wie wir charmant-malerisch-authentisch finden. 😂
Ach ja: und preiswert.
Das Buchungsportal möchte ja immer hinterher eine Beurteilung und ich spreche mit Karin ab, was ich angebe. Ohne Quatsch, die „Bruchbuden“ bekommen fast immer sehr gute Bewertungen mit ehrlichen Beschreibungen UND dem Hinweis auf die Preise, die wir gezahlt haben.
Unsere Kriterien: Sauber genug, Betten bequem, Wasser/Toilette/Dusche funktioniert, keine Krabbeltiere.
Glaubt es oder glaubt es nicht, aber bei all den billigen Übernachtungen war es nur 2-3mal schmuddelig, aber aushaltbar, an Ungeziefer haben wir ein einziges Mal eine Schabe im Treppenhaus gesehen (da war das Zimmer aber richtig gut), 2-3mal fehlte eine Heizung, aber wir waren die einzigen Gäste in Sommerquartieren und man hat versucht, uns mit Heizöfen und Decken zu helfen. Da war nur das morgendliche Duschen ein Angang. 🥶
Einmal haben wir ein neues Zimmer verlangt und bekommen, weil die Klospülung nicht ging.
Aber das Preis-Leistungsverhältnis stimmt nach unserem Maßstäben unter Berücksichtigung der Weltgegend.
Und fast immer haben wir sehr freundliche Gastgeber.
Bei weit mehr als der Hälfte aller Unterkünfte würden wir ohne zu zögern wieder Halt machen, bei einigen waren wir auch schon mehrmals aber ein paar scheiden auch aus. 😇
Wie ich schon geschrieben habe, war die Abwechslung dieses Mal, ohne Mautgebühren zu reisen, also im Klartext: Autobahnen zu vermeiden.
Das bedeutete natürlich mehr Fahrzeit und mehr Übernachtungen. Aber der Spritverbrauch gleicht sich durch die langsamere Fahrerei aus, die Übernachtungsmehrkosten durch die gesparte Maut. 😇
Und wir sehen neue Landschaften!

Nach der Übernachtung in Asch ging es an Pilsen (leider) vorbei bis kurz vor die slowakische Grenze.
Wir sind kurz nach Mittag nach Tábor gekommen und haben kurzerhand Halt gemacht.











Ein wirklich schöner Ort.
Natürlich gab es einen typischen Schurmann: Es war etwa 13:30 Uhr und schön sonnig, genau richtig, um auf dem schönen Platz einen Kaffee zu trinken und (!) einen vielversprechenden Böhmischen Pfannkuchen mit in Rotwein gekochten Blaubeeren und Rahmsahne zu schnabulieren.

Kellner kommt, wir fragen nach Cappuccino und er antwortet: Nur Essen! Auf unsere irritierte Nachfrage präzisierte er: Kaffee erst ab 14 Uhr. 🤪🤯🤣
Wir haben dann in einer Seitenstraße das Getränk ohne Pfannkuchen genossen.
Bei bestem Wetter haben wir eine entspannte Fahrt gehabt.




Abends waren wir in Uherské Hradiště und ihr werdet es kaum glauben – im Hotel Grand!

Das war kein Fake-Name, sondern es lag wirklich im Zentrum am Beginn der Fußgängerzone und hatte einen völlig ungewohnten Standard.




Für 32€!
Wir sind ein wenig durch die Altstadt gebummelt, haben Fotos gemacht und wollten dann etwas Essen. Ratet!






Genau, wir fanden ein nettes Lokal, setzten uns, stellten fest: Bierausschank, Snacks, sonst nix. 😂
Aaaaber Glück im Unglück: Genau an diesem Tag waren Vertreter einer Brauerei da und alle Biere von denen waren aktuell im Ausschank. Auf unsere Bitte nach einer Empfehlung antwortete der Kellner, dass er und seine Kollegen die neuen Biere erst nach Feierabend selber verkosten könnten. 😩


Nach ausführlicher Suche fanden wir dann eine Pizzeria, nicht gerade original böhmisch, aber sehr lecker.
Der nächste Tag war wolkig und warm. Die Slowakei wollten wir nur durchqueren und am Plattensee (die Eingeweihten nennen ihn Balaton 😎) übernachten. Wer den vorigen Beitrag gelesen hat, kennt die Gründe für diese Route.
Interessanterweise ist der westliche Teil Ungarns durchaus noch hügelig und nicht so niederrheinisch wie weiter östlich. So hatten wir eine schöne und störungsfreie Fahrt (mit gesprungener Windschutzscheibe) und konnten ganz entspannt irgendwann rechts aufs Feld für eine Pause abbiegen.








Aber natürlich können wir keine Pause wie normale Menschen machen. 😂
Der Hubschrauber war uns schon vorher aufgefallen, weil er relativ niedrig über die Landschaft flog. Während unseres Picknicks flog er mindestens dreimal in einer Kurve über uns hinweg. Mal sehen, ob ich noch mehr Material zeige.

Ihr seht an den unterschiedlichen Helligkeiten, dass die Wolken zeitweise richtig dick waren und weil wir in Ungarn schon Regen (also REGEN!) erlebt haben, sind wir aufgebrochen.
Ab zum Plattensee!
Wir hatten zwar im Internet gelesen, dass die Fähre, die ziemlich mittig den See quert, fahren sollte, aber Uwe und ich standen schon mal vor einer Fähre, die uns abends nicht mitnahm…
Hier hätten wir aber noch zeitlich Reserven gehabt, um außen rum zu fahren. Was glücklicherweise nicht nötig war.

Tja, soweit das Material von der Überfahrt, dann fand ich die lädierte Karin und es war nicht ganz klar, wie der weitere Abend verlaufen würde. Aber wie schon geschrieben: Mit Schmerzmittel und Kühlung ging es ihr so gut, dass wir nach einem kurzen Einkauf fürs Abendessen noch ans Seeufer konnten. Karin hat auch Zeit und Lust für Fotos gehabt:




Die Unterkunft war ordentlich, etwas in die Jahre gekommen aber an unseren Räumlichkeiten war nur die Eingangstür von außen ziemlich schmuddelig, so das ich schon Sorgen hatte…
Aber innen war es völlig ok, wenn man von einer Stelle mit altem Wasserschaden an der Wand absah.
Dafür gab es ein nettes Außengelände im Vorsaison-Status und einen Speiseraum mit Tassen, Geschirr, Besteck und einem kostenlosen Kaffeevollautomaten!
Wir haben aber angesichts der warmen Temperaturen lieber draußen gegessen.

Nach Szeged sollte es gehen, um die Stadt zu sehen, von der wir Gutes gehört hatten.

Ich habe eine kurze Diashow darüber angefertigt. Ich warne euch vor: Ich liebe Wasserspiele!
Durch die Stadtbesichtigung wurde die Tagesetappe relativ kurz und wir stoppten in Timisoara (Temeschwar). Unser Quartier lag in einem Vorort und war offensichtlich ein Zigeunerviertel.





Sehr malerische Kleidung (ich konnte Karin nur mühsam abhalten, die Menschen aus dem Auto heraus zu fotografieren😂) und freundliche Gespräche mit Passanten und eine ganz passable Unterkunft. Naja, unteres Mittelfeld.



Karin war anfangs etwas angewidert, weil sie die „Küche“ auf der mit Fenstern verschlossenen Terrasse eklig fand. Am nächsten Morgen stellte sich aber heraus, dass sie wohl die Hinterlassenschaften eines anderen Bewohners für den Gesamtzustand gehalten hatte. Aber am Abend war uns nicht nach dort essen, im Zimmer wollten wir wegen des schönen Wetters auch nicht bleiben, also Google befragt und zu einem Lokal in der Nähe gefahren. Draußen gab es nur ein Schild und so etwas wie ein Garagentor, aber wir wissen, das bedeutet hier nichts. Und so war es. Ein tolles, fast hippes Restaurant mit umfangreicher Weinkarte.





Über die Preise reden wir nicht (so günstig), aber der Laden wäre es wert, die Unterkunft wieder zu buchen. 👍
Am nächsten Tag also Rumänien bis zur Übernachtung nach Serbien, wo wir dann entscheiden wollten, ob wir mit oder ohne weitere Übernachtung bis Warna fahren.



Jetzt ist es 1:29 Uhr und ich schreibe schon fast drei Stunden, deswegen unterteile ich den Beitrag in zwei Teile.
Wenn Hollywood-Blockbuster das dürfen, dann kann ich das auch. Genug zu lesen und zu gucken habt ihr ja genug.
Fortsetzung folgt….





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