Diesmal werden es wohl zwei aufeinanderfolgende Beiträge, denn alles zusammenzupacken wäre schlecht zu lesen (Trotz meines bestimmt vorhandenen literarischen Talents).
Ich fange mit den gesammelten „Katastrophen“ an, also Ärgernissen, Verletzungen und Unglücksfällen. Naturgemäß ist selten eine Kamera an, wenn etwas passiert, also müsst ihr für schöne Fotos auf den nächsten Blogbeitrag warten.
Da wäre die Geschichte mit dem Flugärger. Die offizielle Schlichtungsstelle gab uns Recht, der Richter gab uns Recht – und was passiert: Die Fluggesellschaft geht in Berufung! Wie in so einem billigen Gerichtsfilm. Bestimmt haben die eine fest angestellte Rechtsabteilung und können ohne Probleme bis zum Bundesverfassungsgericht klagen, doch ich als Auslandsdeutscher habe (wie bestimmt einige andere Betroffene) keine Rechtsschutzversicherung und muss bei jeder neuen Runde überlegen, was mich das am Ende kosten könnte, falls irgendeine Instanz doch der Gegenseite Recht gäbe.
Zumindest die Berufung werden wir aber wohl durchziehen. Erst einmal – man lernt nie aus – muss die Fluggesellschaft aber Gründe anbringen, warum das sinnvoll sein soll. Dann entscheidet das Gericht über die Zulassung.
Abwarten. Wie schon länger.
Das war kurz vor Beginn der Rückfahrt.
Wir sind gerade zwei Tage unterwegs und parken abends gesichert hinter dem (Grand!) Hotel. Nach der Anmeldung bin ich wieder zum Parkplatz zurück, um das Reisegepäck zu holen, als ich einen Riss in der Windschutzscheibe sehe. Fahrerseite unten. War mir während der Fahrt nicht aufgefallen und das nicht, weil die Scheibe schmutzig war. Die ist nämlich wegen der montierten Action-Cam regelmäßig von Insektenleichen befreit worden!


Gestern Abend habe ich deswegen noch etwas im Internet gesucht und zum einen gelesen, dass man das besser nicht selbst repariert, zum anderen die Adresse einer Werkstatt in Warna gefunden, die wohl nicht nur komplett tauscht, sondern auch flickt.
Da wir schon in 2,5 Wochen wieder mit dem Auto nach Istanbul zum Flughafen fahren, möchten wir das bis dahin erledigt haben. 😎
Der nächste Abschnitt könnte wieder mit der klassischen Zeile überschrieben werden: „Selbstmord auf Raten, Teil xx“ oder: „Das Fährunglück“
Genau, es geht wieder um meine einzige Ehefrau.
Vom Grandhotel im Süden Tschechiens kommend wollten wir ursprünglich ohne Übernachtung durch die Slowakei und Ungarn bis nach Serbien fahren. Das erschien mir aber bei genauerer Betrachtung etwas weit für eine entspannte Etappe und zu unserer Überraschung fand sich in Ungarn direkt am Plattensee ein günstiges Quartier. Da hätte ich normalerweise nie gesucht, weil Ungarn üblicherweise selbst in der Pampa (die dort aber Puszta heißt😇) höhere Preise als Serbien oder Rumänien hat.
Das passte uns aber gut, denn in einem (Motorrad)Reisevideo hatte ich gesehen, dass es mitten durch den See eine Fähre gibt.
Wir lieben Bootsfahrten.
Die Recherche ergab, dass sie in Betrieb sein müsste und so haben wir sie angesteuert. Pünktlich 5 min vor der nächsten Abfahrt waren wir da und konnten tatsächlich mitfahren. Wie üblich stiegen wir aus, um uns die Beine zu vertreten und natürlich Fotos/Videos zu machen.
Nach diesem ersten Versuch bin ich sofort aufs Oberdeck gegangen, um die Aussicht zu genießen. Karin habe ich nicht gesehen, aber entweder fotografiert sie unten oder ist auf Toilette…
Dachte ich.
Tatsächlich ist sie beim Umdrehen über einen fest montierten Fahrradständer gestolpert und gestürzt. Während die Autofahrer unbeteiligt in ihren Karren sitzenblieben🤬, hat die Crew meine Holde vorbildlich versorgt👍. Es gab Jod und Mull und besorgte Fragen, ob eine Ambulanz nötig sei.
Sie waren mit Karin rechtzeitig fertig, bevor das Anlegemanöver begann. Genau dann kam ich von oben zurück und traf meine verbeulte Frau.
Knie offen, Handgelenk und Hüfte schmerzhaft geprellt und – wie wir später sahen – das Shirt an der Seite durchlöchert, obwohl ihr da gar nichts weh tat. 🤪


Ihre Spiegelreflexkamera hatte glücklicherweise vor kurzem ein Schutzglas bekommen, sonst wäre das Ganze nicht nur schmerzhaft, sondern auch teuer geworden. 😩

Gegen die Schmerzen hatte Karin was in ihrer Reiseapotheke und für die Prellungen musste kaltes Bier aus der Kühlbox herhalten. 😂
In der Unterkunft angekommen, haben wir noch etwas Pause gemacht und alles an ihr überprüft. Karin fühlte sich zwar etwas durchgeschüttelt, aber mit schnell gekaufter Kühlsalbe und mehr Schmerzmittel ging es ihr gut genug für eine Parkbank am See in der Abendstimmung.

Der folgende Abend war dann ebenfalls aufregend, warum auch nicht? Karin ging es wieder recht gut und nach unserer Ankunft am Übernachtungsort sollte das Stadtzentrum erkundet werden.
Ich sag’s mal so: Deswegen muss hier niemand hinfahren. 😇
Aber wir waren nunmal da, sind etwas umhergegangen und haben uns in einer Seitenstraße zu einem Bier niedergelassen.
Wir waren auf der Bürgersteigterrasse allein, bis ein telefonierender Mann von drinnen herauskam. Hier klingen Telefonate immer so, als hätten die Gesprächspartner fürchterlichen Krach miteinander. Ist aber normale Konversation. 😎
Wir haben uns nicht weiter dran gestört, aber dann hat er uns „gestört“, nämlich als er sich schräg hinter Karin (also in meinem Blickfeld) auf eine der Bänke setzte, sich zurücklehnte und mit lautem Knall, Schwung und der Bank rückwärts umfiel. Voll auf den Hinterkopf!
Wir natürlich sofort hin. Er blieb zuerst liegen, war aber bei Bewusstsein, wir mussten nur etwas an ihm ziehen und zerren, bis er wieder auf den Beinen war.
Keine Sorge, außer einer langsam zu ordentlicher Größe heranwachsenden Beule hatte er sich nichts getan.
Aber er war sehr dankbar für unsere Hilfe und wollte uns unbedingt ein weiteres Bier ausgeben. Natürlich (!) sprachen wir keine 10 Worte in derselben Sprache, alles dauerte viiiiel länger, als ich es hier schildern möchte.
Die Kurzfassung: Er spendierte uns das Bier, dann holte er sich selbst auch ein neues und setzt sich zu uns. Und blieb sitzen. Und versuchte ein Gespräch…
Ganz zum Schluss, als unsere Biere ausgetrunken waren, gab es noch Selfies (auf seinem Gerät), Austausch von Telefonnummern und einen Anruf beim Bruder in Deutschland, damit wir den auch kennenlernen. 🤪😂🤣
Immerhin wissen wir (die gemeinsame Sprache nennt sich „Hände und Füße“), dass er wohl unter Tage gearbeitet hat, zwei Kinder hat, 56 Jahre alt ist (sieht 15 Jahre älter aus, wir haben die Zahl aber mehrfach auf der Taschenrechner-App gezeigt bekommen😂) und die Schwester seiner Frau im Krankenhaus arbeitet.
Wir konnten uns dann irgendwann loseisen, denn wir hatten noch nichts gegessen und da wirken zwei Flaschen Bier durchaus mehr als sonst. 🤪
Am nächsten Morgen ging es auf die letzte Etappe. Wir hatten keine Lust, mit Gewalt jetzt noch eine Übernachtung anzuhängen, lieber eine längere Strecke fahren. Immerhin wissen wir ja, dass am Ende unsere Betten warten und der Check-in durchgehend offen hat.
Nach einem Picknick am sonnigen Donauufer waren wir gut unterwegs und etwa 2-2,5 Stunden von zuhause entfernt, als wir Zeugen eines üblen Autounfalls wurden.
Landstraße mit Tempo 90, wenig Verkehr, bestes Wetter. Wir fahren auf eine Kurve zu, nicht zu eng, Abbremsen nicht nötig. Etwa 50 m vor uns ein roter Wagen (Golfklasse). Der fährt auf die Kurve zu – und auf den Seitenstreifen, dass der Sand nur so spritzt. Ich denke noch: Schlecht gelenkt, jetzt muss er aber wieder zurück.
Stattdessen donnert das Auto zwischen zwei Straßenbäumen hindurch und mitten durch ein paar Büsche/kleine Bäumchen, dann 20-30m über die dahinterliegende Wiese und anscheinend ungebremst frontal vor einen dicken Beton-Strommast.
Ziemlich genau so:
Wir haben das von hinten gesehen, sofort angehalten und sind hingelaufen. Das sah echt so übel aus wie in dem Video! Die Airbags hatten korrekt ausgelöst und waren schon wieder zusammengefallen. Die Fahrertür stand etwas offen und ein Frauenarm kam heraus, als würde jemand winken. Die Fahrerin war bei Bewusstsein und stöhnte/jammerte, blutete zum Glück nirgendwo. Auf der anderen Seite mussten wir die Tür selber öffnen, was trotz der völlig eingedrückten Front erstaunlicherweise ging.
Dort saß die alte und klapprige Mutter und bewegt sich zuerst nicht. Aber sie atmete und auf Ansprache reagierte sie dann auch.
Unmittelbar nach/mit uns hatten noch drei Autos gehalten und waren schon dabei, Polizei und Rettungswagen anzurufen. Dann kamen sie auch direkt helfen. Einer der Männer sprach glücklicherweise Englisch. Die Oma blutete etwas und während ich mit einem Helfer der jüngeren Frau durch das Wegziehen des Sitzes Luft verschaffte, verband Karin, assistiert von einem anderen Helfer, die Omi.
Da beide ansprechbar waren und der Sanitäter zügig kommen sollte, haben wir beide im Auto sitzen lassen und durch Reden daran gehindert, evtl. bewusstlos zu werden. Zumindest die Oma wirkte nämlich sehr schwach.
Weniger als 10 Minuten später waren Polizei und Krankenwagen da und nachdem wir kurz die Ausstattung des Wagens „bewundert“ hatten und sahen, dass die Sanitäter wohl wussten, was sie taten, haben wir über den englischsprechenden Mann die Polizisten gefragt, ob wir uns verabschieden dürften.
Wir durften.
Ratet, worüber wir uns den Rest der Fahrt unterhalten haben…
Tatsächlich erinnerte ich mich, nach den ersten Kontrollblicken auf die Fahrerin ihr aus dem Fußraum ihr Smartphone gegeben zu haben. Ich dachte, sie könnte damit Angehörige benachrichtigen. Beim Nachdenken darüber, wieso das im Fußraum zwischen den Pedalen gelegen haben könnte, überkam uns eine Ahnung, warum jemand in einer Kurve ungebremst geradeaus weiter fährt…
Aber alles in allem hätte es viel schlimmer ausgehen können. Auto ist zwar Totalschaden, aber beide Insassen waren augenscheinlich nicht schwer verletzt und werden es wohl überleben.
Für uns aber auch: Ich hätte ungerne blutende Schwerverletzte oder verstümmelte Körper im Wrack gefunden.
So war es aus Helfersicht ein Unfall zum Eingewöhnen. Aber ernsthaft: Wir wollen uns da nicht dran gewöhnen.
Selbstverständlich haben wir keine Fotos gemacht. Oder Selfies! Soll es ja alles geben. Für einen Blog oder Instagram oder Facebook…🤯
Allerdings etwas „geärgert“ habe ich mich schon, dass die neue Kamera im Auto hing, aber nicht lief. Weniger (eigentlich gar nicht) weil ich diesen Unfall nochmal sehen oder zeigen wollte, sondern weil es ja auch bei anderem Verlauf ein Beweismittel hätte sein können. Stellt euch nur mal vor, da hätten Leute gestanden. Es war nämlich, wie wir beim Abfahren gesehen haben, die Wiese vor einer antiken Ruine mit touristischer Attraktion.
Unerträglicher Gedanke, also weg damit und dankbar, dass es „nur“ so war, wie es war.
Aus verständlichen Gründen gibt es diesmal nichts zum Schmunzeln hinterher.
Für den nächsten Beitrag muss ich noch etwas Material durchforsten, für „richtige“ Videos brauche ich sogar noch länger. Wir haben nämlich eine üppige To-Do-Liste.
Nachtrag:
Heute habe ich auf Drängen meiner Gattin die Kontostände nach der ganzen Fahrerei geprüft und – Karins Krankenkasse hat mal eben 800€ zuviel abgebucht. Angeblich konnten sie ein Dokument nicht lesen (das im März noch funktioniert hat). 🤬🤯
So, jetzt freut euch auf die schönen Seiten unserer Rückreise.
Fortsetzung folgt!

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